Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 12 (1909)
- Article
- Eduard Glaser
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 174 (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
- article
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174 Wenn man eines Aufschlusses, einer Belehrung, eines Rates in südarabischen Fragen — sei es auf dem Gebiete der Wissenschaft oder des praktischen Lebens — bedurfte, da wußte man fast in der ganzen Welt — in Berlin wie in Konstantinopel, in Nordamerika wie in Ostindien — Eduard Glaser zu finden und er stellte, soweit nur immer möglich, gerne sein Wissen und seine Erfahrung zur Verfügung. Galt es dagegen die Verleihung eines Amtes oder einer pekuniären Beihilfe für südarabische Arbeiten, so schien sich fast kein Mensch seiner zu erinnern. Ich gestehe, daß ich mir in früheren Jahren manchmal die Frage vorlegte: Hat er nicht vielleicht einen dunklen Fleck auf seiner Vergangenheit, der eine Anstellung unmöglich macht? Aber ich mußte mich bald dieses leisen Gedankens selbst schämen. Nicht nur unter den Gelehrten in München erfreute er sich der größten Hochachtung, aus allen Himmelsgegenden besuchten ihn auswärtige Gelehrte und hoch angesehene Männer anderer, auch hoher Stände, die es sich zur Freude und Ehre rechneten, mit ihm zu verkehren. Und wenn man erst die Stimmen hören konnte, die nach seinem Tode laut wurden, darunter Stimmen von Fachgenossen, gegen die ix in recht verletzender Weise aufgetreten war! Ungeheuchelter, herber Schmerz — ungeteilte Anerkennung seines trefflichen Charakters! Doch halt — immer streng wahrheitsgemäß! Ein ungünstiges Urteil über seinen Charakter nach seinem Tode ist mir bekannt geworden. Ein unversöhnter Gegner sagte ihm nach, er sei neidisch gewesen. Es kann wohl sein, daß er mit innerem Groll und Mißmut es wahrnahm, wenn wieder und wieder ein jüngerer Semitist eine Universitätsprofessur erhielt oder zum Mitglied einer Akademie gewählt wurde: welcher billig Denkende könnte dies unverzeihlich finden? Ich möchte meinen, daß es gerechter wäre, die Vorwürfe nach anderen Richtungen zu adressieren. Wäre es z. B. nicht ehrenhaft und vornehm, wenn in solchen