Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 12 (1909)
- Article
- Eduard Glaser
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 176 (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
- article
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176 das vorliegende höchst wertvolle Material Glasers zu erwerben, hatte man kein Geld; um auf ungewisse Erwerbungen auszugehen, hatte man Geld im Ueberstusse! Zweifellos glaubte man in Wien für diesen nicht sehr freundlichen Schritt schwerwiegende Gründe zu haben., Aber Glaser erkannte diese Gründe nicht als stichhaltig an und daß er über diese „Contra Glaser"-Expedition höchst erbittert war und, als dieselbe in der Hauptsache mit einem Mißerfolge endete, darüber Schadenfreude empfand, beim Himmel, ich möchte ihm deswegen keinen allzu schweren Vorwurf machen. In dem steigenden Gefühle der Hoffnungslosigkeit und Ratlosigkeit dachte er manchmal sogar ernstlich daran, mit dem Reste seiner Geldmittel ein kaufmännisches Unternehmen zu betreiben. Wenn es nicht so traurig wäre, müßte man darüber lächeln: ' Eduard Glaser ein Kaufmann! Ich will seine Fähigkeiten wahrlich nicht herabsetzen, aber hier hätte er keine Erfolge erzielt. Man kann ein guter Sabäist und doch ein schlechter Kaufmann sein. Ein antisemitisch angehauchter Gegner prägte zwar das Wort „Geschäftsreisender" auf ihn, wohl wegen der Ankäufe und Verkäufe, die ich erwähnt habe. Wenn irgend ein Spott, so ist dieser — gelinde ausgedrückt — unberechtigt. Wenn ein Reisender in einem wilden Lande einen Goldklumpen unentgeltlich oder fast unentgeltlich erwirbt und ihn in Europa um den wahren Preis verkauft, so hat er einen solchen Erfolg seinem Glück und Wagemut zu verdanken: kaufmännisches Geschick hat er damit nicht bewiesen — und viel anders war es bei Glaser nicht. Daß er, um sich die Mittel zu seinen Forschungsreisen zu erwerben, Handelsgeschäfte treiben mußte, ist allerdings traurig und tief beschämend — aber nicht für ihn beschämend. Die Wissenschaft schuldet ihm dafür doppelt Dank. Nein, kaufmännisches Geschick hatte Glaser nicht. Ihm, den die schwierigsten astronomischen Berechnungen nicht erschreckten, mußte ich einmal fast mühsam erklären, wie sich der wirkliche Zins eines Wertpapiers aus dem Kurs in Verbindung mit dem nominellen Zins-