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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1909-01-01 · 12 (1909) · p. 168

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
12 (1909)
Article
Eduard Glaser
Date
1909-01-01
Page
168 (sequence 34)
Language
German
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- 168 Seinen Gegnern traute er viel Schlimmes, bisweilen geradezu Ungeheuerliches zu*). Für den oberflächlichen Menschenkenner muß es befremdlich, für den erfahrenen Psychologen vielleicht eher natürlich erscheinen, daß er seine Hauptgegner gerade in den Kreisen hatte oder zu haben glaubte, die ihm nach seiner Abstammung am nächsten standen. Vom österreichischen Standpunkte ist es bedauerlich, daß sein Verhältnis zu den Wiener Gelehrten so schlecht war — vom jüdischen Standpunkte, daß es hauptsächlich zwei jüdische Fachgenossen waren (einer in Wien, einer in Paris), die er in der heftigsten, leidenschaftlichsten Weise immer und immer wieder angriff, weil er ihnen die Hauptschuld daran beimaß, daß er keinen seinen Leistungen und Fähigkeiten entsprechenden Platz in der wissenschaftlichen Weiß namentlich keine gesicherte Lebensstellung erhielt. '*) Einen Fall, in dem ich, freilich unschuldigerweise, seinen Verdacht aufgestachelt hatte, halte ich mich für verpflichtet, hier zu erzählen: Vor 8 Jahren, als ich Glaser erst oberflächlich kannte, erzählte mir ein Bekannter „im Vertrauen", er habe gehört, daß Glaser von der türkischen Regierung eine Pension beziehe. Ich hielt dies nicht für wahrscheinlich, übrigens auch nicht für sehr wichtig, und hatte die Sache bald fast ganz vergessen. Im Jahre 1906 erinnerte ich mich zufällig daran und teilte es Glaser mit. Da ich mich nicht für berechtigt hielt, ihm meinen Gewährsmann zu nennen und dieser mir auch nicht die Genehmigung dazu erteilte, war Glaser außerordentlich entrüstet und vertiefte sich in die Ueberzeugung, von der er nicht wegzubringen war, daß seine Gegner lügnerischerweise dieses Gerücht verbreitet hätten, um ihm zu schaden! Kurze Zeit darauf erscheint eine Lieferung seines Werkes „Attjernenische Nachrichten", und zu meinem großen Bedauern finde ich darin (S. 224) diese Geschichte und eine daraus aufgebaute Anklage gegen seine Gegner! Ich bemerke zum Ueberflusse, daß, wie mir mein Gewährsmann, dessen Zuverlässigkeit über allen Zweifel erhaben ist, bestätigte, das Gerücht nur aus Kreisen stammte, die außer aller Verbindung mit Glaser's Gegnern waren und zweifellos nur einer Kombination entsprang, veranlaßt durch die neugierige Frage: „Wovon lebt Dr. Glaser?"

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