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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1909-01-01 · 12 (1909) · p. 167

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
12 (1909)
Article
Eduard Glaser
Date
1909-01-01
Page
167 (sequence 33)
Language
German
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— 167 Also innerhalb des Menschlichen und Möglichen war er der wahrhaftigste zuverlässigste ehrlichste Mensch, den man sich nur denken kann, — in kleinen wie in großen Dingen. Nur ein. einziges Mal „log" er mir gegenüber nach meiner Erinnerung (es war sehr wenig Scharfsinn notwendig, um es sofort zu -merken) und wegen dieser „Lüge" mußte meine Achtung und Sympathie vor ihm noch steigen; denn sie war ein Beweis seines braven Charakters — es handelte sich darum, ftemde Ehre zu wahren, noch dazu von Personen, gegen die er sicherlich keine Verpflichtung hatte, die er vielleicht nicht einmal persönlich kannte. Nur nebenbei sei als kleines Zeichen seiner strengen Rechtlichkeit erwähnt, daß er, der mit schweren Sorgen um seine materielle Zukunft kämpfte und aufs sparsamste lebte, meines Wissens eher zu viel als zu wenig Kapitalrentensteuer zahlte. Ich dachte mir manchmal: Wenn alle, namentlich die reichen Leute, dieselben strengen Grundsätze in Bezug auf Steuermoral hätten, wie ganz anders könnte manches in Gemeinde, Staat und Reich sein! — Nicht das gleiche, was von seiner Wahrheitsliebe, läßt sich von seinem Gerechtigkeitssinne behaupten. Er war eine Kraft- und Kampfnatur, und für solche Naturen ist es schwer, gerecht zu sein. Solche Naturen machen oft einzelne Personen für Dinge allein verantwortlich, an denen dieselben nur teilweise Schuld tragen, Dinge, für die man vielmehr die „Verhältnisse", die unpersönlichen, unfaßbaren Verhältnisse — mögenTfie nun in einem Falle „Milieu" oder „Vorurteile" oder wie sonst immer genannt werden — wenigstens großenteils verantwortlich machen müßte, und finden Fehler und Schwächen, die ihnen bei Freunden verzeihlich erscheinen, bei Gegnern unerhört. Bei Glaser kam noch dessen allzu rege Kombinationsgabe, die ich bereits erwähnte, hinzu.

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