Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 12 (1909)
- Article
- Eduard Glaser
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 169 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3111067-3111090-3112695--3284-3112887- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
169 s — Aber als seine Polemik gegen diese beiden Gegner ihren Höhepunkt erreicht hatte, da plötzlich — söhnte er sich mit ihnen in seinem letzten Lebensjahre aus, mit dem einen sogar durch eine mündliche Aussprache. Diese Versöhnung, so wenig sie auch äußerlich motiviert erscheinen mag, kann keinem der beiden Gegner zur Unehre gereichen. Er war müde geworden und fühlte wohl — obgleich er sich dessen nicht klar bewußt war — daß seine Lebenszeit sich ihrem Ende zuneige. Da ersehnte er, namentlich, als sich ihm endlich — zu spät! — die Aussicht auf eine gesicherte Lebensstellung zu bieten schien, nur noch das eine: in Ruhe und Frieden seine Lebensarbeit fortführen und beschließen zu können. Der gleiche Wunsch war bei seinem — übrigens bedeutend älteren — Gegner maßgebend. Und dessen bin ich ganz sicher: Wäre ihm ein längeres Leben voller Kraft und Gesundheit beschieden gewesen, die beiden Gegner hätten den Frieden treu und ehrlich gehalten. Als der andere seiner Gegner im Zlpril 1908 — einige Wochen vor ihm! — verschied, wurde er durch diese Nachricht tief erschüttert. — Also teilweise war er meiner Ueberzeugung nach sicherlich im Unrecht, und zwar nicht nur in der Form, sondern auch in der Sache und ich bin weit entfernt, die Auswüchse in seiner Polemik rechtfertigen zu wollen; aber wer einen Stein auf ihn Hierwegen werfen will, dem rate ich, sich an seine Stelle zu versetzen, um seine tiefe Verbitterung zu begreifen — und damit komme ich zu der betrübenden und beschämenden (nicht für ihn beschämenden) Seite seiner Tätigkeit, zur Beantwortung der ziemlich naheliegenden Frage: Welcher Lohn wurde Eduard Glaser für seine glänzenden Leistungen zu teil? Nun, eine Anzahl Auszeichnungen. Von seinein Vaterlande freilich keine. Um gerecht zu sein, will ich sofort bemerken, daß er wenigstens einnral, meines Wissens, nämlich im Jahre 1882, einen österreichischen Orden hätte erhalten können. Als durch seine Bemühungen dank seiner Umsicht einige österreichische Marine-Offiziere, die in die Gefangenschaft der Truppen