Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1909-01-01 · 12 (1909) · p. 166

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
12 (1909)
Article
Eduard Glaser
Date
1909-01-01
Page
166 (sequence 32)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3111067-3111090-3112695--3281-3112884
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

166 Volksmassen, denen eine herbe Enttäuschung erspart wurde, ein Glück aber auch für Glaser selbst, für dessen ruhmvollen Namen ein kläglicher Mißerfolg nicht förderlich gewesen wäre. — Glasers Abenteuer in Arabien und vieles Andere aus seinem Leben sind im Wesentlichen nur aus seinen eigenen Berichten bekannt geworden und ich gestehe, daß ich — prinzipiell mißtrauisch gegen Berichte von Forschungsreisenden — mir früher manchmal die Frage vorlegte, ob nicht ein Teil davon erfunden oder wenigstens übertrieben oder ausgeschmückt sei. Ich möchte meinen Kopf dafür zum Pfände setzen, daß dies nicht der Fall war. Ich verglich oft seine wiederholten Erzählungen über dieselben Erlebnisse — er hatte kein Gedächtnis dafür, ob er etwas schon früher erzählt hatte oder nicht —, habe aber niemals auch nur den kleinsten materiellen Widerspruch in seinen Erzählungen gefunden. Auch was ich nach seinem Tode aus dem Munde seines Hauptgegners hörte, wie auch vieles Andere zeugt für seine unbedingte Glaubwürdigkeit. Ruhmredigkeit und Prahlerei war ihm absolut und vollständig fremd; er gestand z. B. einmal offen, daß er, als er das erste Mal die Flintenkugeln der Beduinen um seinen Kopf pfeifen hörte, „wie Espenlaub zitterte." Absolute Wahrhaftigkeit war ein charakteristischer Zug seines Wesens. Ich glaube, daß auch von ihm gilt, was Bismarck irgendwo vom alten Kaiser Wilhelm sagte: „Er konnte nicht lügen." Natürlich crum grano salis. Er war ja ein Mann des praktischen Lebens; das sagt Alles. Daß er z. B. auf seiner Reise nach Marib sich für einen muslimischen Geistlichen ausgab, war ja, streng genommen, eine große Lüge, aber ich bin überzeugt, daß selbst ein Kant ihm hierfür mildernde Umstände zugebilligt hätte. Denn die Lüge diente einem doppelten Zwecke: dem gemeinnützigen, die Wissenschaft zu fördern, und allerdings auch dem egoistischen, aber verzeihlichen: nicht totgeschlagen zu werden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.