Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 12 (1909)
- Article
- Eduard Glaser
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 165 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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165 mutete, daß diese Gesellschaft, obwohl sie eine Anzahl jüdischer Mitglieder besaß, doch Inden nicht sehr gerne aufnehme, wollte er sich einer Ballotage nicht unterziehen. So benahm er sich, der berühmte Forschungsreisende, der große Gelehrte, von dein vielleicht viele nicht einmal wußten, daß er Jude war. Ich dachte mir manchmal: „Möchte ein solches Beispiel von Lebensklugheit und Charakterfestigkeit doch recht viel Nachahmung in unserer Mitte finden." Seine Würde als Mann und als Jude wußte er stets vortrefflich zu wahren. Als er auf einer seiner Reisen nach Arabien durch den Suezkanal fuhr, wurde auf dem Dampfschiffe in feiner Gegenwart von der biblischen Erzählung des Ganges der Kinder Israels durch das Schilfmeer und des Todes Pharaos und seiner Aegypter in den Fluten gesprochen. „Hier ist wohl die Stelle", sagte einer der Herren, ein Diplomat, „wo das Unglück geschah. O, wäre es damals anders gekommen!" Schlagfertig deutete Glaser auf die in der Ferne sichtbaren Höhen des Sinai und warf ein: „Dann hätten sich aber auch die Begebenheiten dort nicht ereignet." „Ja, da haben Sie Recht", erwiderte verlegen der Andere, der jetzt erst ahnte oder sich daran erinnerte, daß Glaser selbst Jude war. Bekanntlich dachte er in den neunziger Jahren des verflossenen Jahrhunderts auch daran, größeren jüdischen Volksmassen eine Heimstätte in Süd-Arabien zu gründen. Es war ein ehrlich gemeinter, aber kaum reif durchdachter Plan — wie hätte er die Zeit haben sollen, neben seinen anderen riesigen Ausgaben die großen Vorstudien, die für ein solches Werk unerläßlich sind, zu betreiben? Und vor Allem: es fehlte ihnr für diese Sache die begeisterte Liebe zum jüdischen Volke, das innere Feuer, das einem Volksführer erst die Macht und das Recht verleiht, ein Volksführer zu sein. So darf es als ein Glück bezeichnet werden, daß jene Idee nicht in das Stadium eines praktischen Versuches getreten ist: ein Glück für die armen jüdischen