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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1909-01-01 · 12 (1909) · p. 162

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
12 (1909)
Article
Eduard Glaser
Date
1909-01-01
Page
162 (sequence 28)
Language
German
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162 Kenntnis der arabischen Sprache und der arabischen Sitten, Geldmittel und gute Freunde — hatten Halövy und Glaser natürlich nicht von ihrem Vorgänger Arnaud erben können. Dies scheint mir unbestreitbar und selbstverständlich zu sein, aber eben deshalb muß man wohl fragen: Warum diese Entrüstung? Ich bin überzeugt, daß der junge Gelehrte, als er diese Zeilen flüchtig niederschrieb, nichts Böses dachte. Glaser war ein außerordentlich guter Mensch. Ein wohltuender, rührender Gegensatz: Er, der gegen sich selbst und gegen seine Gegner hart und schonungslos sein konnte, war weich und mitleidig gegen Schwache und Hilflose. Wo ihm fremdes Leid vor die Augen trat, half er gerne, so gut er konnte, auch mit Geld, oftmals mit weit mehr als es seinen Verhältnissen entsprach. Wie manchen schönen großen oder kleinen Zug könnte ich erzählen: Ob es galt, einen Bettler durch eine Gabe zu befriedigen, oder einen vom Oberkellner geohrfeigten Piccolo durch ein paar freundliche Worte aufzurichten, oder ein weinendes Wassermädchen durch ein kleines Geldgeschenk zu trösten, oder einem armen kleinen Zündhölzchen-Verkäufer, der über schlechte Geschäfte jammerte, eine Schachtel abzukaufen (er hatte zeitweise ein ganzes Lager aus Mitleid erworbener Zündhölzchen), oder endlich einem von der Welt verlassenen unglücklichen Freunde durch einen größeren Geldbetrag zu helfen — stets war er der gütige, gemütvolle, edle Mensch mit einem goldenen Herzen. Aber — Wahrheit ist des Chronisten erste Pflicht — ich muß dieses Lob sofort einschränken. war entschieden zu viel Individualist. Das Leid einer einzelnen, ihm räumlich oder ideell nahestehenden Person konnte ihn mehr ergreifen als das große Elend eines Volkes oder Bolksteiles. Dies zeigte sich namentlich auch in seinen Gefühlen gegen die jüdische Volksmasse.

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