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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1909-01-01 · 12 (1909) · p. 161

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
12 (1909)
Article
Eduard Glaser
Date
1909-01-01
Page
161 (sequence 27)
Language
German
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161 Glaser war als Privatmann der bescheidenste Mensch, den man sich nur denken kann; ich bin überzeugt, daß ihn viele Menschen jahrelang kannten, bis sie — nur zufällig — von seiner Bedeutung erfuhren. Es wird wenige Menschen geben, die so frei von Eitelkeit sind, wie er es war. Aber als Gelehrter und Forschungsreisender besaß er das stärkste Selbstbewußtsein. Er wußte — und beanspruchte, daß es allgemein anerkannt werde, — daß er der unübertroffene Meister auf dem Gebiete der Sabäistik — oder, wie ihn ein berühmter englischer Semitist einst nannte, „facile princeps in south- Arabian decipherment“ — war. Wenn er einem Gegner eine Dummheit Nachweisen konnte, so war dies für ihn zweifellos ein größerer Genuß als für einen Gourmand der köstlichste Leckerbissen, und wer ihni seiner Ansicht nach etwas von seinen wissenschaftlichen Entdeckungen wegstibitzte, war für ihn nicht viel besser als ein Taschendieb oder Straßenräuber; dies ist ja bei Gelehrten überhaupt in der Regel so. Auch auf seinen Ruhni als Forschungsreisender war er außerordentlich eifersüchtig. So war er noch etwa ein Jahr vor seinem Tode entrüstet, als er in einer kleinen, sonst übrigens sehr instruktiven Schrift eines jungen, ihm befreundeten Gelehrten „Forschungsreisen in Süd-Arabien bis zum Auftreten Eduard Glasers" folgenden Satz las: „Arnaud hat den späteren Reisenden, die noch größere Erfolge erzielten, wie Halövy und Glaser, den Weg gewiesen, aber auch bereitet." Davon, meinte er, könne gar keine Rede sein; er hatte damit wohl Recht. Der Weg, den Arnaud seinen Nachfolgern bereitet (!) haben sollte, war, wie wir sahen, beinahe ein Todesweg. Fast jedes Kind in Sana konnte Glaser sagen, daß für einen Europäer, der sich nach Marib wage, die Wahrscheinlichkeit größer war, totgeschlagen zu werden, als lebend zurückzukommen. Was zu jener Expedition notwendig war: größte Unerschrockenheit gegen Gefahren und Strapazen, intimste 11

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