Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 12 (1909)
- Article
- Eduard Glaser
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 159 (sequence 25)
- Language
- German
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159 zu einer stattlichen Erscheinung. In seiner Jugend war er ein trefflicher Turner, Schwimmer, Fechter und Schütze gewesen. Sein Verstand war in jeder Hinsicht trefflich entwickelt. Außer dem Scharfsinn des Gelehrten besaß er auch den bei Gelehrten und geistreichen Menschen so oft verkümmerten „gesunden", „hausbackenen" Menschenverstand und verschmähte auch nicht den tausenderlei kleinen Dingen, die im täglichen Leben so oft von der allergrößten Bedeutung (im Orient vielleicht noch mehr als bei uns) sein können, seine Aufmerksamkeit zu schenken. So besaß er die besten Umgangsformen: in dieser Hinsicht war namentlich der Aufenthalt im Hause des Feldzeugmeisters dem armen Judenknaben von unschätzbarem Vorteil gewesen. Von geringerer Bedeutung, aber doch erwähnenswert scheint mir seine dichterische Begabung. Seine Verse sprühten oft von Geist und Witz und waren auch formvollendet, freilich manchmal bitterbösen Inhalts, soweit sie Gegner betrafen. Wichtiger war sein zeichnerisches Talent, durch das er schon als kleines Kind seine Umgebung in Staunen setzte. Zeichnungen von ihm aus seinem 4. oder 5. Lebensjahre sollen lange von der Realschule in Komotau als Sehenswürdigkeit aufbewahrt worden sein. Besonders kamen ihm auch zu Statten seine umfassenden Sprachkenntnisse, die ja namentlich im Orient von großer Bedeutung sind. Ganz abgesehen von seinen theoretischen Sprachkenntnissen — wissenschaftlich beherrschte er alle semitischen Sprachen einschließlich der abessinischen Mundarten, des Mehri u. s. w., außerdem hatte er durch Selbststudium sich das Lateinische und Griechische angeeignet — verfügte er über ungewöhnlich große praktische Sprachkenntnisse. Vor Allem verstand er das Arabische meisterhaft und sprach es wie ein Araber (bekanntlich sprechen sonst im Allgemeinen deutsche Gelehrte das Arabische „wie ein Deutscher", französische „wie ein Franzose" u. s. w., also für einen Araber unverständlich) außerdem beherrschte er das Französische fast wie ein Franzose und besaß gute