Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 12 (1909)
- Article
- Eduard Glaser
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 155 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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155 Beduinen — in ehrenhafter und treuer Weise seine Pflicht erfüllt hätte. Glaser hatte in Vorahnung des Kommenden diesen Mann — Mubarak ibn Musfir hieß der Wackere — als Sejjir engagiert, d. h. als Begleiter, der den Schutz seines Stammes auf den Schützling überträgt. Natürlich hatte ihn Glaser dafür auch gut bezahlt: Mubarak hielt diesen Vertrag getreulich. Er und seine sänitlichen anwesenden Stammesgenossen vom Stamme der Djahm-Beduinen erklärten, lieber den Tod erleiden als Verräter eines Schutzbefohlenen sein zu wollen. So oft ein Karamisch-Beduine auf Glaser oder einen seiner Begleiter sein Gewehr anlegte oder mit dem Messer eindrang, warfen sich die Djahmiten dazwischen und suchten ihren Gegnern die Waffen zu entreißen. Ein Scheich, 'Omar ibn 'Amir, der sich im Getümmel endlich Gehör verschafft, sucht auf sehr „einfache" Weise den Streit zu schlichten. „Liefert den Fremden aus, ihr andern könnt alle des Weges ziehen". „Lieber den Tod erleiden als eine solche Ehrlosigkeit begehen", lautet die einstimmige Antwort der vier Scherife von Marib und Mubaraks. Von Neuem erhebt sich das Getümmel. Da — in der höchsten Not — erscheint plötzlich ein anderer Scheich — von den Beni Sakran, einer Unter-Abteilung der Beni Ahmed, die eine Abteilung des Stammes der AlKaramisch sind — ein würdiger Greis unter der Menge. Ohne Waffe, ja sogar ohne Kopfbedeckung kommt er herbeigeeilt, um den Mord zu verhindern. „Es sei ferne von mir, es sei ferne von Euch" ruft er, „daß wir diesen Leuten etwas zu Leide tun. Ich erkläre sie insgesamt als in meinem und in dem Schutze sämtlicher Beni Ahmed stehend". Ohne das Weitere abzuwarten, zieht sich der Ehrfurcht gebietende Greis hierauf zurück. Die Wirkung, die die Worte des Scheich auf die Menge hervorbrachten, war eine merkwürdige. Wie ein Bann legt es sich augenblicklich über die Wütenden. Das wilde Geschrei verstummt; die drohend erhobenen Flinten und Dolchmesser senken sich; Unent-