Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 12 (1909)
- Article
- Eduard Glaser
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 154 (sequence 20)
- Language
- German
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154 Nachdem man die Nachricht verbreitet hatte, Glaser werde am nächsten Tage einen dreitätigen Ausflug in entgegengesetzter Richtung unternehmen, ritt man — Glaser mit den Scherifen von Marib — in der dunklen Nacht vom 19. zum 20. April ab. vermied alle Straßen und machte aus unsäglichen Pfaden in öden Gegenden weite Umwege. Vergeblich. Schon am nächsten Abend wurde die kleine Karawane im öden Wadi Dheika von einem Beduinentrupp entdeckt und aus einem Tamariskengebüschheftig beschossen. Glasers Gefährten konzentrierten sich rasch rückwärts, er selbst sprang, da sein Maultier, vollständig erschöpft, wie festgebannt stehen blieb, aus dem Sattel, warf sich zu Boden und erwiderte aus seinem Revolver die Schüsse der Angreifer. Auch seine Gefährten rückwärts begannen jetzt zu schießen, bis die Beduinen mit einem Verluste von zwei Verwundeten sich zurückzogen; Glasers Karawane war unversehrt geblieben. Man ritt wieder fast die ganze Nacht hindurch und kam am nächsten Morgen im reizenden, dicht bevölkerten Wadi Harib im Gebiete des Stammes der Al Karamisch an, wo die Reisenden endlich auszuruhen hofften. Welche Täuschung! Kaum hatten sie die ersten Häusergruppen passiert, da schien die Hölle losgelassen. Wildes Geschrei, Zurufe von Haus zu Haus, von Weiler zu Weiler, Trommelwirbeln — Hunderte bewaffneter Araber eilen herbei — man zerrt und reißt die Reisenden von ihren Reittieren und beginnt wütend auf sie einzuhauen. Auch das „zarte Geschlecht" benahm sich hierbei höchst unzart: Wie Furien hetzten die Weiber ihre Männer: „Edbahu et Turki! Edbahu ePerusat!“ „Schlachtet den Türken, schlachtet die Braut!" Letzterer ironischer Ausdruck galt dem Kopftuche Glasers, mit dem er sich ähnlich den Bräuten bei Hochzeitsfeiern, unter dem Vorwände des Schutzes gegen die sengenden Sonnenstrahlen, in Wirklichkeit um die verräterische weiße Gesichtsfarbe zu verbergen, verhüllt hatte und das ihm jetzt die Weiber herunterrissen. Es wäre um Glaser geschehen gewesen, wenn nicht ein Beduine eines anderen Stammes — der Djahm-