Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 12 (1909)
- Article
- Eduard Glaser
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 156 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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156 fchlossenheit und Verlegenheit treten an Stelle der ungebärdigen Mordlust. Jetzt heißt es die glückliche Wendung ausnützen: Eine verlorene Minute — und es kann zu spät sein. Glaser und seine Leute erfassen sofort die Situation: Hurtig, rasch auf ihre Reittiere, die noch an Ort und Stelle standen — und fort geht's — nicht fluchtartig, denn das könnte gerade den wohltätigen Bann lösen, aber doch ohne jeden Verzug. Ihr Abzug wurde nicht gehindert. Die wackeren Djahm-Beduinen, welche später nachfolgten, ließen es sich angelegen sein, auch das Gepäck wieder aufzuladen, was ihnen ebenfalls nicht verwehrt wurde, und es Glaser zu bringen: So wurden auch die wissenschaftlichen Schätze, darunter die 391 Inschriften-Kopien und Abklatsche, glücklich gerettet. — Nach weiteren zahlreichen Gefahren und Strapazen kam Glaser am 24. April 1888 glücklich nach Sana zurück, im förmlichen Triumphzuge — zum Erstaunen der Einwohner, die sehr verwundert waren, daß Glaser nicht ums Leben gekommen war. — Noch öfters hatte er in Arabien Gelegenheit dem Tode ins Auge zu schauen; ein günstiges Geschick schenkte ihm aber noch eine Anzahl Lebensjahre. Er verbrachte dieselben — vom Jahre 1895 an — in München, wo er in der anspruchlosesten Weise lebte, sich fast kein Vergnügen, keine Zerstreuung gönnend, fast ausschließlich sich seinen wissenschaftlichen Arbeiten widmend. Eduard Glaser ist unvermählt geblieben. Es ist dies in jeder Hinsicht zu bedauern. Wäre er glücklicher Familienvater gewesen, so würde er wohl nach menschlicher Berechnung dem Leben und der Wissenschaft noch lange erhalten geblieben sein. Aber in seinen früheren Jahren konnte er wegen der arabischen Expeditionen nicht wohl ans Heiraten denken und auch nach der Rückkehr von seiner letzten Reise dorthin war sein ganzes Dichten und Trachten derart von der Sabäistik und — Polemik gegen seine Gegner in Anspruch genommen, daß er für so „nebensächliche" Dinge wie Liebe und Ehe keine Zeit übrig hatte. Die