Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 12 (1909)
- Article
- Eduard Glaser
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 153 (sequence 19)
- Language
- German
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153 Um derartige Szenen zu vermeiden, ritt man teilweise bei Nacht, alle Straßen vermeidend, auf schier unglaublichen Wegen ohne Ruh und Rast, ohne der völligen Erschöpfung zu achten. Wie schlug Glasers Herz vor Freude, als man am Mittwoch den 21. März 1888 morgens bei den. Ruinen des berühmten Dammes von Marib ankam. Sein erstes Werk war, vom Pferde zu steigen und trotz der furchtbaren Müdigkeit einige Stunden lang Inschriften zu kopieren (die Inschriften, die die berühmte Zerstörung dieses Dammes durch eine Ueberschwemmung behandeln, hat er im Jahre 1897 mit einem Kommentar herausgegeben). Knapp nach Mittag kam man im eigentlichen Marib, der einstigen glanzvollen Residenz der Könige und Königinnen von Saba an. Heute ist es ein armes Dorf mit großartigen Ruinen. Die Bevölkerung begrüßte die Fremden freundlich. Aber an Gefahren fehlte es nicht. Bald verbreitete sich in der ganzen Landschaft das Gerücht, der Fremde sei ein Türke oder ein Jude oder Christ und treibe allerlei Spuk. Inschriften abschreiben — wozu? Jedenfalls suche er Schätze und führe Gott weiß welche schlimmen Pläne im Schilde. Auf Schritt und Tritt mußte Glaser, durchstreifte er die Umgegend, auf mörderische Angriffe gefaßt sein. Und unter solchen Verhältnissen arbeitete er ohne Unterbrechung bis zum 19. April, nahm die Topographie des Landes mit größter Genauigkeit auf, machte meteorologische, linguistische, ethnographische und besonders archäologische Beobachtungen und sammelte nicht weniger als 391 Inschriften. Gerne hätte er seine Reise nach dem unvergleichlich inschriftenreichen Djauf, einer Gegend nördlich von Marib, ausgedehnt — aber das Geld reichte nicht niehr aus. So mußte er sich mit schwerem Herzen zur Rückreise entschließen. Mit allen Vorsichtsmaßregeln wurde diese Rückreise angetreten. Wußte man ja, daß alle Stämme im Halbkreise um Marib herum sich verschworen hatten, den „Türken" nicht mehr nach Sana zurückzulassen und auf allen Wegen Beduinentrupps sich postiert hatten, Glaser aufzulauern.