Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 12 (1909)
- Article
- Eduard Glaser
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 152 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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152 keit bildete die berühmte und abenteuerliche Reise nach Marib, der uralten Sabäer-Hauptstadt, die er während seiner dritten Anwesenheit in Arabien ausführte. Er war der dritte Europäer, der diese höchst gefahrvolle Expedition wagte: Arnaud 1843, Halevy 1870, Glaser 1888. Ein vierter hat sich bis heute meines Wissens nicht gefunden. Gleich von Anfang an bildete dieser Ort das Ziel der sehnsüchtigen Bestrebungen Glaser's, aber der leidige Geldmangel zwang ihn immer und immer wieder zur Einschränkung seiner Pläne; als endlich seine Mittel hierfür genügten, ging er ans Werk. Der Emir von Marib, Scherif Husein ben Abderrahman, den er schon während seines ersten Aufenthaltes in Arabien kennen gelernt hatte, sagte ihm seine Unterstützung zu; der Wali von Sana, Osman Pascha, willigte ein. So zog Glaser in der Nacht des 17. März 1888 mit dem Emir und dessen Gefolge, worunter ein gelehrter Muslim, Sejid Muhammad ben Abdallah, aus Sana gegen Osten nach dem heißersehnten Ziel. Natürlich nicht als „Eduard Glaser" — selbst der Emir hielt ihn lange für einen Muslim — sondern in muslimischer Verkleidung; er wählte ein Pseudonym und galt als der Fekih (Geistliche) oder auch Kadi Husein ben Abdallah el Biraki essajah. Die beiden letzten Worte bedeuten „Der Prager Forschungsreisende." Auf neugierige Fragen, wo denn, dieses Birak (Prag) liege, antwortete er, wenn ich nicht irre, es sei eine — selbstverständlich von gläubigen Musliinin bewohnte — ferne Insel im Weltmeer. Nicht leicht wurde ihm diese Verkleidung. Schon auf dem Hinwege erklärte die Bevölkerung bald da bald dort, sie habe erfahren, daß der angebliche Fekih in Wirklichkeit ein Kafir (Ungläubiger) oder auch ein Turki (Türke) sei. Das gab stets aufregende Szenen, die nur mühsam dadurch beigelegt wurden, daß der Emir und der gelehrte Sejid Mohammad unter Eidesschwüren beteuerten, ihr Reisegefährte sei kein Kafir, sondern gläubiger Muslim — kein Türke, sondern harmloser Gelehrter, der zu diesem oder jenem berühmten Manne nach Hadramaut wandere, um seinen Wissensdrang zu befriedigen.