Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 12 (1909)
- Article
- Eduard Glaser
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 149 (sequence 15)
- Language
- German
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149 Juden vielfach in Berührung und lernte das entsetzliche Elend der großen, armen Masse kennen. Auf Schritt und Tritt sah er, wie trotz der türkischen Herrschaft die Bedrückung der Juden durch die eingeborenen Araber sortdauert. Mit einem Rabbiner in Sana kam er öfters zusammen — einem hochachtbaren Charakter mit tiefem jüdischen Wissen und — was natürlich Glaser besonders interessierte — gediegenen (auch nach europäischen Begriffen gediegenen) astronomischen Kenntnissen; nebenbei war der Mann — Silberschmied, da er sich nur durch seiner Hände Arbeit, nicht aber durch seinen Rabbinerberuf seinen kärglichen Lebensbedarf erwerben konnte — ganz wie es im Altertums der Fall war und jetzt noch vielfach im Orient der Fall ist. Einst besuchte dieser Rabbiner — begleitet von einem jungen Muselman, den er in der Astronomie unterrichtete — Glaser in dessen Wohnung. Während der Muselman Platz auf dem Sopha nahm, blieb der Rabbiner stehen. „Warum setzest du dich nicht?" fragte Glaser. „Herr, nach der ’adet elbiladet (Brauch des Landes) darf sich ein Jude in Gegenwart eines Muslim nicht setzen." Glaser entgegnete, daß er in seiner Wohnung eine derartige ’adet elbiladet nicht anerkenne und nötigte den demütigen theologischen Silberschmied zum Sitzen. Vom Oktober 1883 bis zum Frühjahr 1884 konnte Glaser nun endlich einen Teil des Wilajets Jemen durchstreifen, und eine reiche, wissenschaftliche Ausbeute wurde ihn: bald zu teil. Seine weiteren drei Reisen fielen in die Jahre 1885/6, 1887/8 und 1892—94. Ueberreich an Mühen und Gefahren waren diese Expeditionen. Schon das rote Meer bietet bekanntlich viele Gefahren; Schiffbrüche kommen dort ziemlich häufig vor — infolge der zahlreichen Korallenriffe. Auf einer seiner Fahrten wandte sich der Kapitän des Dampfschiffes an Glaser, von dessen astronomischen