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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1909-01-01 · 12 (1909) · p. 143

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
12 (1909)
Article
Eduard Glaser
Date
1909-01-01
Page
143 (sequence 9)
Language
German
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143 Willen seiner Eltern, (die ihn als Lehrling in ein Geschäft eintreten lassen wollten!) die Oberrealschule in Prag. Das waren harte Lebens- und Leidensjahre, die nur durch eine eiserne Energie, wie sie Glaser schon als Knabe besaß, zu überwinden waren. Denn seine Eltern konnten ihm nur geringe, später gar keine Zuschüsse zu seinen Studien mehr geben, und so mußte der Heranwachsende Jüngling in der künunerlichsten Weise durch Stundengeben sich durchschlagen. Sein bleiches, den Hunger verratendes Antlitz fiel endlich seinem Klassenlehrer in der Oberrealschule auf; derselbe forscht nach und erfährt mit tiefem Mitgefühl die traurige Lage des von ihm geschätzten trefflichen Schülers. Nun läßt es dem wackeren Schulmanne keine Ruhe. Wie helfen? Und siehe da, die Hilfe ist nicht ferne. Eine günstige Fügung will es, daß gerade um jene Zeit ein hoher Militär, Feldzeugmeister Freiherr von D. in Prag, für seinen Sohn einen Hauslehrer und Kameraden sucht; der Klassenlehrer kann den jungen Eduard mit gutem Gewissen hierfür empfehlen und die Sache gelingt. Der vornehme und dabei edle und gütige Feldzeugmeister nimmt den armen jüdischen Schüler in sein Haus auf. Jetzt begann eine verhältnismäßig herrliche Zeit für Glaser. Gab es auch viel Arbeit — zu gleicher Zeit Schüler und Lehrer zu sein, ist wahrlich nicht so leicht — so war wenigstens jede Nahrungssorge vorbei und er lernte überdies in dem vornehmen Hause, wie sich denken läßt, ungeheuer viel, was ihm im späteren Leben im Verkehr mit den höheren Kreisen von größtem Nutzen war. Freie Station, freie Kleidung und dazu noch ein hübsches Taschengeld — wer war glücklicher als der junge Glaser? Nun konnte er sich auch manchen kleinen Luxus erlauben, so den Besuch eines Kaffeehauses, um Zeitungen und Zeitschriften zu lesen. Kleine Ursachen, große Wirkungen.. In der Zeitschrift „Das Ausland" las er die Berichte über Livingstone's afrikanische Reisen und sah jetzt ein Ziel für seinen von Lust nach Abenteuern nicht ganz freien Tatendrang: Forschungsreisender zu werden

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