Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 12 (1909)
- Article
- Eduard Glaser
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 142 (sequence 8)
- Language
- German
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142 — Gesetz '„Viele Wenig machen ein Viel" auch für die Krautköpfe in Tronitz gilt, so kann man sich die ungünstige Wirkung leicht vorstellen. Für die christlichen Aecker genügte der gemeindliche Flurschutz; für die jüdischen nicht. So mußte die Glaser'sche Familie selbst beim Flurschutze miHelfen. Abwechselnd mit seinen Brühern mußte auch der kleine Eduard — schon im Alter von sieben Jahren! — manche Nacht auf dem Felde, gegen die Ungunst der Witterung notdürftig durch eine Strohhütte geschützt, zubringen, um die väterlichen Krautköpfe zu bewachen. Ob freilich dieser kindliche Schutz sehr wirksam war? Der Schlaf der Jugend ist fest. Einmal kam es vor, daß der junge Eduard, plötzlich erwachend, fand, daß er eine ziemlich weite Strecke von dem Punkte lag, wo er sich hingestreckt hatte. Ein Spaßvogel hatte den schlafenden Knaben an eine andere Stelle hingetragen, ohne daß dieser erwacht wäre. Und auch bei Tage mußte der kleine Eduard rüstig in der Landwirtschaft Mitarbeiten. Seiner körperlichen Entwickelung scheint dies jedoch förderlich gewesen zn sein. Was im allgemeinen — namentlich bei uns Juden — nicht sehr häufig vorkommt, bei Glaser war es der Fall: Er war körperlich und geistig hervorragend begabt. So brachte er es fertig, in den Jahren 1873 und 1875 seine später fast berühmt gewordenen Fußreisen nach' Paris (nebenbei bemerkt, fast ohne Geldmittel!) zu machen, wobei er Tagesmärsche bis zu 90 Kilometer zurücklegte; so war es ihm möglich, während seiner militärischen Dienstzeit, alle Strapatzen vortrefflich zu überstehen; als z. B. bei einem erschöpfenden Marsche an einem glühend heißen Sommertage fast der ganze Truppenteil, den: Glaser angehörte, schlapp wurde, war Glaser einer der wenigen, die marschfähig blieben und nicht nur dies, er konnte das Gewehr und einen Teil des Gepäcks eines Kameraden außer seinem eigenen tragen. Wie sehr ihm diese Körperkrast auf seinen späteren Reisen zu statten kommen mußte, bedarf wohl keiner Ausführung. Vom 13. Lebensjahre ab besuchte Glaser die Unterrealschule in Komotau, dann vom 16. ab gegen den