Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 12 (1909)
- Article
- Eduard Glaser
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 141 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3111067-3111090-3112695--3256-3112859- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
141 Eduard Glaser wurde am 16. März 1865 in deni böhmischen Dorfe Deutsch-Rust geboren. Dort und in dem nahen Dorfe Tronitz, wohin seine Eltern später übersiedelten, verlebte er seine Kindheit. Seine Eltern müssen brave, ehrenwerte Leute gewesen sein — Glaser sprach niemals anders als mit der größten Liebe und Zärtlichkeit von ihnen, obwohl er, wie wir gleich sehen werden, eine furchtbar harte Jugend durchzumachen hatte — aber mit Glücksgütern waren sie nicht gesegnet. Sein Vater war jedenfalls kein hervorragender Geschäftsmann und es wurde ihm nicht leicht, die zahlreiche Familie — 5 Kinder, wovon eines im Kindesalter starb — zu ernähren. Außer einem kleinen Handel trieben Glasers Eltern auch Landwirtschaft. Jüdische Landwirte — wie schön dies klingt und — wie schwer es ist! Natürlich nicht auf dein Papier: da ist es eine sehr einfache Sache: Jüdische Landwirte genießen den nämlichen gesetzlichen Schutz wie die anderen. Aber ein ungeschriebenes Gesetz lautet: Minoritäten,Diaspora- Bevölkerungen, die von der Bevölkerungsmehrheit durch Religions- oder Rassen-Gegensätze geschieden sind, sollen und dürfen nicht Landwirtschaft treiben. Zum Teufel, wenn die Juden Landwirtschaft treiben dürsten, könnte man ihnen ja nicht mehr vorwerfen, daß sie keine Landwirtschaft treiben! Das hauptsächliche Mittel, um den Minoritäten die Landwirtschaft unmöglich zu machen, ist natürlich der Felddiebstahl. Was in Mazedonien und Armenien beobachtet wird, gilt auch in Böhmen; denn die menschliche Natur ist im Grunde überall dieselbe. Ich möchte es das Gesetz der „Entlandwirtschaftlichung" der Minoritäten nennen. Nationalökonomen und Völkerpsychologen scheinen dieses Gesetz bisher nicht zu kennen; aber die Tronitzer kannten es — wenigstens übten sie es. Nicht als ob man mit einem Male die ganze Glasersche Ernte gestohlen hätte. Es wird Wohl nur eine beschränkte Zahl Personen gewesen sein, die allnächtlich zum Krautacker Glasers sich begab, um dort einige „Juden-Krautköpfe" (nicht zu „stehlen" — nein, nur) zu „holen" oder zn „nehmen". Aber da das bekannte arithmetische