Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 12 (1909)
- Article
- Eduard Glaser
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 140 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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140 Er hatte ein dänisches Buch sabäistischen Inhalts zu lesen. Obwohl er niemals mit der dänischen Sprache sich befaßt hatte, verstand er, ohne eine Grammatik oder ein Wörterbuch zu Hilfe zu nehmen, den Inhalt fast bis aufs letzte Wort. Natürlich brachte er dies — abgesehen von seinem hervorragenden allgemeinen Sprach-Gefühl, wenn ich so sagen darf: Sprach-Jnstinkt — nur dadurch fertig, daß er mehrere germanische Sprachen (außer Deutsch auch Englisch und Holländisch) theoretisch beherrschte; es kam ihm aber sicherlich hierbei auch zu statten, daß er wenigstens eine germanische Sprache, das Deutsche, vollständig, als seine Muttersprache, auch praktisch, beherrschte, außerdem aber, daß er den Stoff, den das Buch behandelte, vortrefflich kannte. Aehnlich mag es wohl mit seiner Erforschung des südarabischen Altertums gewesen sein. Es kam ihm dabei zu statten, daß er wenigstens eine semitische Sprache, das Arabische, als seine zweite Muttersprache beherrschte und daß er das Land im ausgedehnten Maße kannte. Er kannte die Natur und Geographie Südarabiens, dessen heutige Menschen und ihre hleberlieferungeu; gar vieles aus dem vorislamitischen Südarabien lebt in der Tradition der dortigen Bevölkerung fort.*) Schon hierin war er wohl allen anderen Sabäisteu ohne Ausnahme weit überlegen. Aber auch die Art seines Arbeitens, eine unerhörte Gründlichkeit und Genauigkeit, muß seine Forschungen auf das günstigste beeinflußt haben. Wo er eine Spur gefunden hatte, da verfolgte er sie mit einer unermüdlicheil Zähigkeit bis in alle Abzweigungen und Seitenwege; ich mußte oft unwillkürlich denken, wie sehr seine Arbeiten ihm erleichtert und beschleunigt hätten werden können, hätten ihm seine Verhältnisse die Zuziehung einiger Hilfsarbeiter erlaubt. — *) Z. B. die berühmte Königin Bilkis von Saba, die den heutigen Arabern und Abessiniern als die Königin gilt, die den König Salomo besuchte. Letzteres ist freilich eine Legende; gerade Glaser war es, der feststellte, daß die Königin Bilkis mehrere Jahrhunderte nach Chr. gelebt hat.