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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1909-01-01 · 12 (1909) · p. 139

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
12 (1909)
Article
Eduard Glaser
Date
1909-01-01
Page
139 (sequence 5)
Language
German
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139 Abklatsch mitgebracht. Der Abklatsch war undeutlich und unvollständig; es bestand kein Zweifel darüber, daß die Inschrift der Ergänzung bedurfte. Zunächst aber fragte es sich, ob die Ergänzung nach links oder rechts erfolgen müsse. Der Herausgeber und Kommentator ergänzte nach rechts. Glaser, dem es nicht gelang, den Abklatsch selbst zu Gesicht zu bekommen, ergänzte nach links und sagte mit aller Bestimmtheit, daß die und die Buchstaben falsch gelesen seien, daß vielmehr die und die Buchstaben im Original stehen müssen und daß ungefähr neun Wörter auf dem Abklatsch fehlen; auf dem Stein selbst aber stehen müßten. („Die Abessinier in Arabien und Afrika", München 1895 S. 155 ff., 189 ff.) Im Jahre 1906 kommt nun der Aethiopist, nunmehrige Straßburger Universitätsprofessor Littmann, nach Abessinien an Ort und Stelle und was findet er? Die Glaser'sche Konjektur war völlig richtig. Die Wörter, die aus dem Glaser'schen Gehirne auf das gedruckte Papier gekommen waren, hier standen sie schon seit 1500 Jahren in den Stein gemeißelt! Ich muß übrigens bemerken, daß Glaser, als er von Professor Littmann diese Tatsache erfuhr, zwar — selbstverständlich — sehr befriedigt, aber keineswegs besonders stolz darauf war. Er schien es fast als selbstverständlich anzusehen, daß seine Konjektur sich so glänzend bewährt hatte. — Sein scharfsinniges Eindringen in das Verständnis der südarabischen Inschriften wurde ihm wohl bedeutend erleichtert durch seine intime Kenntnis des heutigen Südarabiens und der arabischen Sprache im engeren Sinne. Denn wer die Schwestersprache einer fremden zu untersuchenden Sprache nicht nur theoretisch nach Grammatik, Wortschatz etc., sondern auch praktisch so vollständig beherrscht, daß er darin denken kann, wird viel leichter, oft instinktiv, das Richtige finden, mit einer gewissen Sicherheit fühlen, was in der zu untersuchenden Sprgche möglich und wahrscheinlich ist. Ich konnte vor einigen Jahren gerade an Glaser in dieser Beziehung eine interessante Beobachtung machen:

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