Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 12 (1909)
- Article
- Eduard Glaser
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 137 (sequence 3)
- Language
- German
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137 Er hat auf vier äußerst schwierigen und gefahrvollen südarabischen Reisen ein ungeheures Material, namentlich an Inschriften, gesammelt, die auf das graue arabische Altertum ein Helles Licht werfen, und er hat dieses Material zum großen Teil verarbeitet. Sein Hauptwerk „Skizze der Geographie und Geschichte Arabiens von den ältesten Zeiten bis zum Propheten Muhammed", wovon allerdings blos der zweite Teil veröffentlicht worden ist, gilt als epochemachend. Auch für die jüdische Geschichte sind seine Forschungen von hervorragender Bedeutung, in erster Linie natürlich für die Geschichte der Juden in Arabien; es ist ja bekannt, daß nach der zweiten Zerstörung Jerusalems zahlreiche Juden in Südarabien eine neue Heimat fanden und sogar die jüdische Religion dort bedeutenden Einfluß gewann. Von seinen zahllosen Schriften und kleineren Arbeiten in Zeitschriften ec. berühren manche auch direkt Fragen der jüdischen Religionswissenschaften: es sei nur beispielsweise ein prächtiger Aufsatz von ihm in „Ost und West" (November 1905 S. 643 ff.) über das biblische „Gebot der Nächstenliebe" (Erklärung des hebräischen Wortes ger) genannt. Und diese Wissenschaft der Sabäistik, in der er von der ganzen Kulturwelt als Meister anerkannt wurde, hatte er sich nur nebenbei, größtenteils als Autodidakt, angeeignet! Sein eigentlicher Beruf von Haus aus war die Astronomie; hier hatte er in jungen Jahren eine Anstellung, als Assistent an der Wiener Sternwarte, erhalten, die er — um der Forschungsreisen in Arabien willen — aufgab. Wie viel Gelehrte mag es wohl geben, die sich rühmen können, zwei so heterogene Riesengebiete — natürlich noch mit den unentbehrlichen Hilfswissenschaften — meisterhaft zu beherrschen! Auf der einen Seite Sabäistik mit der Geschichte und den Sprachen der übrigen semitischen Völker, namentlich der arabischen Literatur, einschließlich der aus praktischen Gründen für ihn höchst wichtigen Jslamistik. Auf der anderen Seite die Astronomie mit den