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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1909-01-01 · 12 (1909) · p. 130

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
12 (1909)
Article
Unsere Familien Chronik
Date
1909-01-01
Page
130 (sequence 21)
Language
German
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130 nicht reift zum Sarge dahingerafft, daher der Wehruf, daß Gott den Tode banne, und die heißen Tränen stille. (Unser Chronist erzählt in folgenden, wie er mit wenig Kosten in Besitz eines bequemen Reisewagens gelangt ist.) Da man hier keinen Fuhrmann als nur einen unbequemen Ackerwagen bekommen kann, der zudem wegen der schlechten schmutzigen Wege 4 Pferde zum Fortziehen bedarf und da ferner aus solchem Gefährt oft Sachen verloren gehen, und ich viele Touren zu machen habe, habe ich mir einen eigenen Wagen angeschafft. Das Gestell hat mein Nachbar Meyerhoff gemacht. 12 Th. usw. Also kam mir der Wagen auf 51 Th. Diesen Betrag habe ich nicht einmal in bar bezahlt, sondern sie haben dafür Ware genommen. Noch will ich bemerken, daß meine.erste Fahrt mit demselben zu einer Berlobungsfeier meiner Nichte, Tochter meines Bruders Feibisch in Nenndorf war. (Die Berichte unseres Chronisten stammen aus der guten alten Zeit, es möchte daher für die Nachkommen desselben von Interesse sein zu hören, wie ihr Ahn eine Reise zur braunschweigischen Messe machte, die er zum Einkauf von Waren und zwar in Begleitung der dortigen Kaufleute besuchte, zurückgelegt und welche Vorbereitungen dazu gemacht wurden.) Zunächst sorgte die gute Hausfrau für Reiseproviant, bestehend aus Rauchfleisch und wohlschmeckenden geräucherten Gänsen. Die Reise, welche wohl 14 Tage in Anspruch nahm, wurde nach Ausgangs des Sabaths angetreten. Unsere Meßbesucher wurden an diesem Tage zum Abschied zur Thora aufgerufen, nun ging es zunächst nach Hannover, woselbst sie den anderen Morgen anlangte. Hier wurde dann zur Erholung eine Tasse Kaffee eingenommen. Nun gings weiter bis Peine, wo sich unsere Wanderer der nächtlichen Ruhe überließen. Am anderen Morgen setzten sie die Reise nach Braunschweig fort, als dem Endziel ihrer Fahrt, heute gebraucht von pr. Eisenbahn etwa 3 Stunden.) 1812 am Hannoverschen Mai-Markt brachte ich meine Tochter Röschen nach Hannover in Kost bei meinem Bruder Abraham, wofür ich ihm die Woche 34 gr. zahlte, sie erlernte dort das Kleidermachen, kostete an Lehrgeld monatlich 24 gr., für Beköstigung und Lehrgeld zahlte 30 Th. Von da ab bis Mai hatte ich Röschen in seiner Wirtschaft unentgeltlich gelassen um das Kochen zu lernten. Nun kehrte Röschen zu uns zurück und ich brachte meine Tochter Marianne zu Abraham als Kinderwärterin ohne Lohn, da Abr. ihr aber später auch keinen Lohn geben wollte, ließ ich sie nach Hause kommen, indem wir zur Zeit auch keine Magd hatten. Im Juli 1813 ist der Präsident des jüdischen Consistoriums, nämlich Israel Jaeobsohn, mit Kutschen und Reitpferden nebst Bedienung nach Nenndorf gekommen. An einem Schabbos besuchte er die Schul meines Bruders Faibisch, da fungierte er selbst als Chasen und lernte auch, dann hielt er eine erbauliche Predigt. Den anderen Schabbes wollte er£m Rodenberg die Schul besuchen, wurdedurch schlechtes

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