Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 12 (1909)
- Article
- Unsere Familien Chronik
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 129 (sequence 20)
- Language
- German
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129 1807—1818 regierte, von den Alliirten Vertrieben worden und unser Kurfürst in sein Land zurückgekehrt war, hatten die bisherigen Ortseinnehmer viele unangenehme Streitigkeiten mit ihren Gemeinden wegen der Kriegs contrübutionen, welche, wie die Communen sie jetzt beschuldigten, zuviel auferlegt haben sollten und für sich behalten. Mich aber traf Gottlob solche Beschuldigung nicht. Keiner auch hatte mir in dieser Beziehung etwas gesagt. Üauclu laschem ki tauw (Danket dem Ewigen, denn er ist gütig, und ewig dauert seine Güte). (Möge die vorstehende Mitteilung Behrends einem fremden Leser kleinlich erscheinen, so muß sie doch das Interesse für ihn bei seinen Eltern und späteren Nachkommen erhöhen und dazu beitragen, sein Andenken in hohen Ehren zu halten. Sie sehen in ihm den braven Familienvater, der mit einer langen Reihe von Kindern gesegnet ist, stets auf das Wohl der Seinen bedacht ist, der um dasselbe zu wahren und zu fördern, jede Gelegenheit ergreift, um auch in geschäftsloser Zeit etwas zu verdienen. War nun auch, wie sich aus der Chronik ergibt, ein gewisser Wohlstand vorhanden, so doch kein Reichtum, und wer den Heller nicht ehrt, ist des Thalers nicht wert.) 1811, 14 Tage vor Pessach, wurde meine liebe Frau von einem Unterleibs leiden befallen, woran sie sehr krank lag und die Krankheit zog sich bis Monat Jjar hin. Der hiesige Chirurg Matäi hat sie aber nächst Gott wieder curirt. 4 Wochen mußte sie das Bett hüten. August 1811 erkrankte an den Masern meine Toch ter Marianne und meine Söhne Abraham und Joseph, wie auch noch meine Tochter Blümchen. Zu der Krankheit trat ein Brustleiden, das leider ihrem Leben ein Ende machte, es war das am Roschaschonoh einige Wochen nach eingetretener Krankheit. Leider folgte ihr bald darauf ihr Bruder Joseph am Succothfeste. O, möge der Tot uns nicht heimsuchen und Gott unsere Thränen trocknen. Bei den anderen Kindern trat G. s. D. bald Genesung ein. Im Monat December erkrankte mein Sohn Bernhard an heftigen Seitenstichen, woran er schwer erkrankt lag, aber nächst Gottes und des Arztes Hilfe genas er. Nach einigen Wochen konnte er die Schul (Synagoge) wieder besuchen, zu seiner Eltern großer Freude. Loraedi nafschi es haschem. Meine Seele preißt und danket Gott! (Sehr traurig lautet heute die Verzeichnung des Tagebuches, es berichtet von Krankheit und Tod, von welchem letztere 3 Lieblinge und welche Kinder sind nicht Lieblinge der Eltern, von dem Herzen gerissen wurden und hinterläßt das eine Wunde, die schwer vernarbt.) Manch Freudiges hat uns bisher die Chronik verzeichnet, heute zeigt sie uns den Würgengel, der in kurzer Zeit eine gewaltige Lücke in der Familie gerissen, indem 2 Menschenleben, noch 9