Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 12 (1909)
- Article
- Unsere Familien Chronik
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 128 (sequence 19)
- Language
- German
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128 20 Th. 1812 hat er beim Oberförster Kleinstäuber die Forstkenntnitz erlernt, zahlte für Kost- und Lehrgeld 60 Th. 1 Büchse 10 Th., 1 Flinte 6 Th., an Büchsen 6 Th. Wiederum hat er noch bei Förster Quentin gelernt. Dies all es ist folgender Gründe wegen geschehen: 1) Bernhard hatte keine Lust zum Handel 2) mußte er doch Soldat werden 3) hoffe ich, daß dadurch, wenn er sich freiwilligt annehmen ließ,, seinen SohnKrusel vom Militär-Dienst zu befreien. Viele Gedanken sind im Herzen des Menschen, doch der Gedanke Gottes kommt zur Ausführung. April 1813 ist er zum Vergnügen nach Cassel und Osterode gegangen, daneben mit der Absicht, sich eine Condition zu suchen, blieb 4 Wochen weg und kostete an Zehrung 6 Th. Indessen hat er zumeist bei guten Freunden logiert. Unsere Tante Jette in Osterode hat ihn zumeist mit einer silbernen Taschenuhr beschenkt. Wert nach jetzigem Preise 7 Th. nach früherem 10 Th. 1810 ist eine neue Chaussee von hier nach Nenndorf angelegt, welche über die Grever Masch führt. (Ward zu meiner Zeit viel zum Spazierengehen am Sabbath Nachmittag benutzt.) Am 9ten Novbr. 1810 ist des Nachts bei Möhling hier eine Feuersbrunst entstanden und zwar auf der Hinterstraße, welches seine 3 nebeneinander stehenden Häuser und gegenüber auf der Vorderstr. des Schreiner Pfingsten gehörige neue Wohnung in Asche gelegt hat. Ein großer Windsturm, welcher herrschte, setzte Rodenberg in große Gefahr, wenn nicht Gott und viele gute Menschen mit ihren Spritzen Hülfe geleistet hätten. Es war nun grade (bei diesem Feuer) ein reisender Jude hier aus Mansbach. Dieser schrieb auf die vom Feuer noch nicht ergriffenen Türen die hebr. Buchstaben: a. g. l. h., welche die Anfangsbuchstaben von dem Gebete: ato gibaur leaulom, haschem, „Du bist stark, o, Herr", sind. (Es ist merkwürdig, wie der Hang zum Aberglauben sich häufig bei den Menschen kund tut und auch leider bei den Juden, deren heilige Schrift den Aberglauben und alle abergläubischen Gebräuche streng verbietet. Die Buchstaben, a. g.l. h. sollten nach dem Glauben des zugereisten Juden die geheime magische Kraft - besitzen, dem Feuer Einhalt zu tun. Es verdient nun bemerkt zu werden, daß unser Jtzig Behrend das Verfahren des Fremden zu mißbilligen scheint, denn er schließt seinen Bericht mit den Worten „hakaul bidä schomajim“, alles durch die Kraft Gottes (und nicht durch die Kraft der Buchstaben.) Das Jahr 1810 war eine stille geschäftslose Zeit und ich war daher viel zu Hause und auf das wenige Hausgeschäft angewiesen. Um nun auf andere Weise etwas zu verdienen, verlchaffte ich mir das Amt der Steuernhebung der Gemeinde Grove Mühlenstr. und Rodenberger Thor. Die Gebühr für die monatliche Erhebung thut 37 gr. und für die Extraerhebung wird 2—3 gr. p. e. vergütet. Als nun der König von Westfalen, Hyronimus, welcher von