Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 12 (1909)
- Article
- Unsere Familien Chronik
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 126 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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126 Siwan 1814 habe meinen 6 Jahre gehabten Lehrer Sußmann Cohn aus Göttingen, welcher sich als gemeinschaftlicher Lehrer mit Jungfrau Gutje, Tochter der Witwe Mirjam von hier besetzt hat, in meinem Hause Chasne (Hochzeit) gemacht. Ich als Unterführer habe Kaffee und Kuchen, Branntwein, Wein, Eier gegeben, hat 16 Th. gekostet. (Es fei mir vergönnt, des eben genannten Sußmann Cohn, meines sel. Vaters, zu gedenken und in kurzem seinen Lebenslauf mitzuteilen. Er wurde in Göttingen geboren und kam noch als Knabe zu Verwandten in Berlin, es war das zur Zeit, als Moses Mendelssohn daselbst seine Wirksamkeit übte, und sich, was seine Glaubensgenossen anbetraf, bestrebte, ihr äußeres zu läutern, ihren verdorbenen Geschmack zu verbessern, ihnen, den Sprachlosen, durch die Uebersetzung der 5 Bücher Moses und anderer heil. Schriften ein reines Deutsch, einen deutschen Ausdruck anzueignen. Er kam dann, nachdem er in Berlin eine bessere Schulbildung erlangt, nach Dessau, dem Geburtsorte Mendelssohns, dessen Arbeiten und Bestrebungen hier bereits einen fruchtbaren Boden und Aufklärung eine Stätte gefunden. Von da ging er später mit liberalen Anschauungen nach Rodenberg, wo er eine lange Reihe von Jahren als Gemeinde-Lehrer fungierte, und bei Gelegenheiten deutsche Reden hielt, was damals noch als etwas neues galt. In Rodenberg beschloß er, nachdem er ein sehr hohes Alter erreicht, 1846 sein Leben.) In der Chronik heißt es nun weiter: In meiner Jugend wohnten hier mein seliger Vater Jakob und Großvater Bendit, Schimschen, Zadek und Michel. Hierbei war nun Michel Bal-Tefilla (Vorbeter) allein und mußten wir für die hohen Feiertage Chasonim dazu dingen, denen es bei ihren Gebeten an heiliger Andacht fehlte. Da haben wir Brüder uns dazu hergegeben. Feibisch erste Kol Nidre und Mussas, Aron erste Schacharis, ich Minchah und Gumpel ein Sohn Schimschens Neilah. Das geschah im Hinblick auf die Lehren unserer Weisen: Im Orte, wo es an einem Manne fehlt, bestrebe Dich ein Mann zu sein. (Von diesen Männern bewährte sich Feibisch als vorzüglicher Chasan durch seine schöne und kräftige Stimme, aber auch die anderen Vorbeter weckten die Andacht der Gemeinde durch ihren herzlichen Vortrag, denn was von Herzen kommt, geht wieder zu Herzen. An dieser Stelle sei auch des Sohnes Aron, namens Behrend, gedacht, der später als Chasan fungierte. -Cr war mit einer lieblichen Stimme begabt. Derselbe war es auch, der in den vierziger Jahren einen Chorgesang eingeführt, wodurch der Gottesdienst recht gehoben wurde. Haben wir nun bereits aus der Chronik unfern Jtzig Behrend als einen regsamen und umsichtigen Geschäftsmann kennen gelernt, so glaube ich, seine kleineren, das Geschäft betreffenden Notizen übergehen zu dürfen und mich auf die Mitteilung dessen zu beschränken, was des Lesers Interesse in höherem Grade in Anspruch