Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1909-01-01 · 12 (1909) · p. 123

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
12 (1909)
Article
Unsere Familien Chronik
Date
1909-01-01
Page
123 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3111067-3111090-3112694--3237-3112841
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 123 — (Die Warnung gilt nicht mehr für die neuere Zeit, wo die Mazzemaschinen uns der Sorge überheben.) Zur Erinnerung: Nach unserer Separation habe ich mit Bruder Aron an Rotzleder, das von Reinhard hier gekauft war, 106 Th. Schaden gehabt. (Es folgen verschiedene geschäftliche Notizen von 1806 —11, die hier wegblieben). Der Ewige hat gegeben, der Ewige hat genommen, sein Name sei gepriesen von nun an bis in alle Ewigkeit. Sela! (Das. innige Gottvertrauen, von dem unsere Alten erfüllt waren, liehen sie die Widerwärtigkeiten dieses Lebens geduldiger tragen, sie konnten unter Tränen lächeln.) Sonntag, den 7. Februar 1808 hat Gumpel hier seine erste Brismile gemacht. Der Zeit war ein so grohes Wasser hier, dah wir alle zu Pferde haben hinreiten müssen, bis an die Schultreppe. (Der Bund der Milo ist einer der ältesten in der Welt und an 4000 Jahre alt. Mit der Milo wird denn der Knabe diesem Bunde geweiht und ist das äuhere Zeichen der Angehörigkeit zu dem Bunde.) Seit dato wurde die Aue bis Wunstorf aufgeräumt und wir hatten kein grotzes Wasser wieder bis 4. Januar 1805, jedoch nur auf der Hinterstratze und dicht bis unsere Hoftür Mühlenstrahe 15. Monat Jjar 1808 haben wir Meschores (Handlungsgehilfe) namens Meyer Hirsch aus Gemünde hinter Kassel auf Attest von Jakow, Sohn Davids aus Lauenstein bei Geppenbrügge, bei dem er iy.2 Jahre gedient, erhalten. Da derselbe aber ein Spieler, Säufer, Lügner und Betrüger war (Muster moralischer Verkommenheit), habe ich ihn in 4 Wochen wieder gehen lassen, hatte ihm auch 3 Th. 24 gr. zum Handel gegeben, welches er mir aber nicht wiedergegeben, sondern noch hierzu 4 Th. für ein Kalb genommen für Oltrogge und hats nicht bezahlt und 1 Th. 3 gr. Schulden von einer Jungfer und auch eincassirt 8 Th. 27 gr. hierfür habe aber ein kattunen Brusttuch 1 Hemd zum Pfände und habe ihn noch 13 gr. zu Reisekosten lohnen müssen, mithin Summa 9 Th. 9 gr. Den 6. August ist der König von Westfalen mit einer Suite (Gefolge) von verschiedenen Herren und Damen 60 Personen und wohl 300 Mann Soldaten, welche in Fuhgarde und Gardecorps Kavallerie bestand, nach Nenndorf gekommen. Die Soldaten sind in Groh und Klein Nenndorf, Groß Rodenbera einguartirt gewesen, für welche wir sämmtliche Jehudim hier mit Feibisch Nenndorf oie Lieferung gehabt an Fleisch und Brot und Stroh und Futter, wie auch Spezerei und Geflügel. Letzteres ist von einem Controllernnamens Messier befohlen und bescheinigt und von einem Marschall de Logie ausgezahlt worden. N. B. Mit einem starken Abzug. Der Verständige merkt was (fügt unser Chroniker hinzu). (Der Abzug ist gewiß in die Taschen des Marschalls spaziert.) Bei des Königs Ankunft haben ihn 16 hiesige Jungfrauen in weißer Kleidung mit grüner Besetzung ein Gedicht auf ein Tafte-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.