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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1909-01-01 · 12 (1909) · p. 122

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
12 (1909)
Article
Unsere Familien Chronik
Date
1909-01-01
Page
122 (sequence 13)
Language
German
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122 Hälfte der Domäne im Lande behalte. Hierzu gehört das Fürstentum, Minden, Ravensberg. Osnabrück, Paderborn, Hildesheim, Cassel, Göttingen, der Harz, Eichsseld, Goslar, Halberstadt, Magdeburg nebst ungehörigen Ländern. Wie nun der König das Land angenommen, gingen die Parnossin als Deputierte nach Cassel, um ihm zu huldigen, mit großem Aufwand, jeder nach seinem Stand. Er bat allerlei neue Verordnungen herausgegeben, worunter auch, daß er die Juden von ihren Fesseln befreit hat und hat sie so gut wie die Goyim für Bürger erklärt. Jeder kann wohnen imd handeln und Handwerken was sie wollen. Am 1. März ist der König von allen gehuldigt worden. Den 27. Januar 1808 sollen laut königlichem Dekrete all die Gelder, so die Juden mehr wie Christen ausgeben aufhören. Hier haben wir sonst Schutzgeld geben müssen, jetzt nicht mehr, sondern jeder nimmt sich ein Patent auf das, was er treiben will. Eine Branntweinschenke kostet jährlich 1 Thlr., ein Holzhandel 2 Thlr., ein Ellenhandel 4 Thlr., eine Schlächterei 3 Thlr., ein Kornhandel 5 Thlr., ein Großweinhandel 4 Thlr. Sonsten haben müssen für ein- Ort (Flüssigkeitsmaß) einen Heller mehr Assiß geben wie der Goj, auch die Zunge von einem geschlachteten Vieh an den Rab abgeben, und von jedem geschlachteten Rind 1 Th. an die Renterei ohne den Fleischheller. Auch ist kein Leibzoll mehr. (Welcher Wechsel des Schicksals der bisher der Willkür preisgegebenen Juden! Da ist es nicht zu verwundern, daß sie Napoleon als ihren Messias betrachteten. Bei seinem Ehrgeiz und seiner Eroberungssucht war er doch ein großer Mann, der den seit 18 Jahrhunderten angesammelten Mist des Augiasstalles von seinem Unrat reinigte). Der König von Westfalen, Hhronimus, lebte in Cassel in üppiger Pracht und Schwelgerei. Sein Motto war: „Immer lustig".. 1797 habe 30 St. ordinäre Kalbsfelle bei Pergamentmacher Viehler in Hannover gerben lassen, kostet nach Münze gerechnet 13 Th. 11 gr. Die Felle kosten 12 Th. 53 gr., hiervon hat Rabbi Schinen Schochet in Braunschweig eine Sefer Thora geschrieben koste 36 Th. und eine Megilla 2 Th. 1804 hat Aron wieder 30 Felle bei Viehler gerben lassen und hiervon ein Sefer und Megilla machen lassen bei Rabbi Mosche Chasan in Hannover kostet an Schreibgebühr 8 Louisdor und die Felle zu gerben 15 Th. (Eine eigene Seferthora in der Synagoge zu haben, galt und gilt bei den Frauen als etwas verdienstliches, als eine Mizwo. Drei Tag, wo sie der Synagoge übergeben wurde, wurde feierlich begangen und mit einem Gastmahle, Sefer thora Mahl genannt, verbunden). Am 9. Nissan 1808 am Mittwoch haben wir Mazzes gebacken und den folgenden Tag ist wegen viel Regen großes Wasser gekommen, daß wir haben nicht backen können und erst Freitag Eres Schabbes Hagodaul. Dieses ist für jeden eine Warnung, nicht so spät vor Pessach zu backen, sondern 14 Tage vor Pessach müssen die Mazzes gebacken werden.

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