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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1909-01-01 · 12 (1909) · p. 121

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
12 (1909)
Article
Unsere Familien Chronik
Date
1909-01-01
Page
121 (sequence 12)
Language
German
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121 nete sich aus durch ihr freundliches, heiteres Wesen und überhaupt eine Frau, wie sie irn letzten Kapitel Sprüche Salomonis geschildert wird. Ihr Gatte hätte sie gleich einem Rabbi „mein Haus" nennen können.) Den 27. Decbr. 1807 hatten wir 43 Pfd. Hammelfett, wobei viel schlechtes war, geschmolzen, hiervon haben wir 35 Pfd. Lichter erhalten, selbstgemacht das Fett, hat nur 3 gr. das Pfd. gekostet und das macht . ' o Th. 13 gr. 4 Pf. An Dochtgarn 15 „ Für Holz _3 „ Summa 5 T. 31 gr. 4 Pf. Die Lichter sind wert 10 Th. mithin ist Profit 4 Th. 4 gr. 4 Pf. (Die Talglichte gehörten bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zu den Hauptbeleuchtungsmitteln, es brannte iti den Stuben weder Gas, geschweige noch Elektrizitätslicht und, um ein düster brennendes Talglicht auf dem Tische saß die Familie mit ihren Arbeiten. Die älteren Leute von heute erinnern sich noch der Putzschere dieses unentbehrlichste Instrument, welches den verkohlten Docht abschnitt.) Daher der Ausspruch Goethes: (Wüßte nicht, was sie gescheiteres erfinden könnten, als daß die Lichte ohne Putzen brennten.) Den 13. Mai 1800 sind die jüdischen männlichen Personen von 15 bis 40 Jahren zur Musterung und Ausnahme zu Soldaten nach Gudensberg von dem Landgraf Wilhelm H bestellt worden, welches auch geschah, aber die Parnossin (Vorsteher) der Gemeinden haben das mit schwer Geld abgemacht, wovon unser Teil 100 Tb. gekostet hat, welches wir hier in bec Rentner ei bezahlt haben. Da der Landgraf verreist war, und er Schwuaus zurückkam und in einigen Tagen wieder verreisen wollte, so hatte der Raf (Rabiner) den Parnossin gewiesen (als gesetzlich erlaubt) am Jontef zu ihm zu fahren nach dem Weißenstein, und da haben sie auch die Gesere (verhängnisvolle Gefahr) mit viel Geld abgewandt. (Mit Geld konnten die Juden schon manches durchsetzen, allerdings war das Unternehmen, um die Juden von Militärdienst zu befreien, eure Bestechung des Fürsten und ein Zeichen von Feigheit. Aber diese Feigheit war die natürliche Folge des jahrhundertlangen Druckes, den sie zu erdulden hatten, eine Folge des Bewußtseins ihrer Wehrlosigkeit gegen eine ihnen überlegene feindliche Welt, sie war ein Druckfehler, wie auch viele andere Fehler, die der unbeschreibliche Druck gezeitigt hatte, und wie konnte auch in ihnen, den Vaterlandslosen, den (Geächteten, das Gefiihl des Patriotismus leben! Daß aber Feigheit kein Erbfehler der Juden, das bezeugt die Geschichte der Makkabäer, ihr Kampf gegen die Römer, um ihre Freiheit zu wahren und sich lieber unter den Trümmern Jerusalems und des Tempels begraben zu lassen.) Januar 1808 hat Kaiser Bonaparte seinen Bruder Hhronimus zum König von Westfalen eingesetzt mit der Bedingung, daß er die

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