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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1909-01-01 · 12 (1909) · p. 115

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
12 (1909)
Article
Unsere Familien Chronik
Date
1909-01-01
Page
115 (sequence 6)
Language
German
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115 Feuer aus unserrn Schornstein, es müsse Feuer in unserm Hause sein. Wie wir aufstehen, finden wir den Schaletdeckel in Brand stehen. Hätte Gott die Gojim nicht geschickt, wir wären, behüte Gott, mit allem verbrannt^ Gott behüte uns ferner vor Schaden und Kummer. Amen. In der Nacht von Tischobeav 1801 12 Uhr hat einer namens Tischler Harnung hier (Grever Masch) mit seiner Frau sein eigenes Haus angesteckt, ist abgebrannt mit noch einem namens Widelhaus. War V4 Jahr im Gefängnis, ehe er eingestanden, dann endlich gestanden, ist er in die Eisen gekommen nach Ziegenhain April 1803. Am Neumondstage Nissan 1802 hat mein Sohn Kussel von selbst die natürlichen Blattern bekommen und einige Tage nachher mein Sohn Bär. Dieselben sind nebst Frieseln beide sehr voll gewesen und gnädig davon gekommen. Am 6. Nissan hatte sie mein Sohn Feibisch, am 9. bekam sie meine Tochter Röschen, dito meine Tochter Mirjam hatte die Augen bis den 9. Tag zu. Im Monat Jjar waren sie alle durch Gottes Hilfe wieder hergeftellt. 1802 Ende Juli hatte ein Gewitter in den Nenndorfer Kirchturm eingeschlagen, aber nicht gezündet, mutzte aber abgenommen und ganz anders gebaut werden. Am 16. Mai 1803 haben wir sämtliche Juden hier einen Ball auf dem Rathskeller gegeben mit Musik, da an diesem Tage unser Landgraf zum Kurfürsten gemacht war.. Auch wurden des Morgens in der Schul (Synagoge) 7 Psalme gesungen, welche seiner Ehrwürden Rabbi Lob Berliner in Cassel aufgegeben. Un die Casseler Judenschaft haben sich denselben Tag, wovon wir auch gedrucktes Buch erhalten haben. Der Ball hat uns, nämlich meinem Herrn Vater Jtzig, Aron und Abraham 15 Thlr. gekostet. Seit dato ist der Leibzoll im ganzen Hessenlande abgeschasft worden. (Anmerkung des Abschreibers: Der Leibzoll war ein Zoll, der die reisenden Juden dem Vieh gleichstellte nnd war zugleich eine entehrende Plackerei.) Wintermesse Braunschweig 1803. Wie ich Jtzig und Bruder Bär mit seinem Sohn Nechenyo und Bruder Abraham"unsere Waren aufladen wollten und wegreisen, da ist Bruder Bärs Wagen durch flüchtige Pferde der Fuhrmann mit 2 Beinbrüchen beschädigt worden und unser Fuhrmann sein Sohn die Brust gedrückt und liegen geblieben bei unserem Wirt Geki Meyer aus der Bäckerstratze unter Doktor und Feldscher ^Chirurg). Sie waren selbst schuld, da die Pferde nicht ausgehüngt hatten. Nach Verlauf einiger Tage ist unser Fuhrmann sein Sohn gestorben. Im Monat Juni 1803 sind die Franzosen in das Hannoversche Land gekommen mit einem Kommandeur namens Mertier um es einzunehmen, da England den Friedensschlutz nicht gehalten. Die Hannoverschen Truppen wollten sich verteidigen, aber sie haben sich 8*

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