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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1909-01-01 · 12 (1909) · p. 112

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
12 (1909)
Article
Unsere Familien Chronik
Date
1909-01-01
Page
112 (sequence 3)
Language
German
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112 das Geschäft, welches er bereits seinem ältesten Sohn Bernhard übergeben, bekümmerte er sich nicht mehr, aber er verstand es auch, seine Mußestunden und den Feierabend seines Lebens nützlich und angenehm auszufüllen. . Er war, wie man dies aus seiner Chronik ersieht, ein bibelkundiger Mann und las eifrig die rabbinischhebräischen Kommentare Zur heiligen Schrift, unter welchen besonders die des Don Isaak Abarbanell zu seiner Lieblingslektüre gehörten. Wer aber solche Schriften mit Verständnis und Wohlgefallen wie er zu lesen vermag, der darf wohl zu den Intelligenten gezählt werden und auf den Namen eines gebildeten Mannes Anspruch machen. — Und fürwahr vermögen auch die alten heiligen Urkunden der Israeliten eine hohe sittlich-religiöse und humane Bildung zu verleihen, ja, mehr als die Literatur der alten Griechen und Römer. In diesem Sinne und im Hinblick auf die sittliche Kultur, welche ein großer Teil der Menschheit diesen Büchern verdankt, nennt Goethe die Bibel „das Buch der Bücher" und Herder, der große Kenner „der Bölker-Poeste" drückt den hohen Wert der hebräischen Literatur, indem er diese mit römischen und griechischen vergleicht, mit folgenden Worten aus: Aus den Schriften der Griechen und Römer schöpfen, heißt, sich an einem Tropfen laben, während die biblischen Schriften ein großes Meer der Labung bieten. Und aus diesem Meere hatte denn auch unser Chronist mit vollen Zügen geschöpft und genossen. So waren denn auch seine Gespräche und Unterhaltungen mit passenden Zitaten aus genanntem Bücherschatz gewürzt und auch in seiner Chronik macht er davon Anwendung in den verschiedensten Lebens Verhältnissen und Lebenslagen. Tun wir nun einen Blick in seine Häuslichkeit, in sein Familienleben, so tritt uns dasselbe als ein glückliches und mustergültiges entgegen. Soll sich aber ein solches gestalten, so muß dem Gatten eine treue Gattin, ein Biederweib, zur Seite stehen. Solches war ihm denn auch in seiner Rivka, einer Tochter Israels aus Geppenbrügge, zuteil geworden. Sie war ihm stets eine treue Lebensgefährtin und besaß all die weiblichen Tugenden, die das Wohl des Hauses fördern, und sie förderte das ihres Mannes nicht zum geringen Teil durch ihr ruhiges, sanftes und sinniges Wesen, das ihr in hohem Maße eigen war. Und wo das Strenge mit dem Zarten, wo Starkes sich und Mildes paarten, da gibt es einen guten Klang. Diese Harmonie muß namentlich bei der Erziehung ihrer Kinder geherrscht haben, die alle, und es waren deren eine lange Reihe, wohl gediehen und gerieten. Man gewahrte überhaupt einen feineren Ton in dem Jtzigschen Hause, einen Ton, welcher bei den anderen jüdischen Familien des Orts vermißt wurde. So zeugte denn auch das Benehmen, die besseren Manieren ihrer Kinder, die reine deutsche Aussprache, fern von dem sogenannten Mauscheln, von einer sorgfältigen Erziehung, von einer größeren Achtsamkeit auch auf das äußere Benehmen der Kinder. Dazu kam auch, daß ihr erstgeborener Sohn Bernhard geistig hochbegabt war und schon früh von einem regen Streben nach allem Wahren, Edlen und Schönen beseelt war. An solchen Erstgeborenen haben denn die jüngeren

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