Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 12 (1909)
- Article
- Unsere Familien Chronik
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 111 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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111 Der auf S. 113 erwähnte Sohn des Chronisten, mit Namen Israel (1812 geboren), war der letzte, der noch zur Zeit des Uebersetzers lebte, wie dieser in den nächsten Seiten schreibt, der aber 1894 in Hannover ebenfalls das Zeitliche gesegnet hat. Pros. A. Berliner. Vorbemerkung des Uebersetzers. Dem Wunsche unseres Freundes Bendiza Behrend nachkommend, werde ich die Chronik des seligen Jtzig Behrend, die er mit jüdisch-deutscher Schrift niedergeschrieben, mit deutschen Buchstaben wiedergeben. Aber nicht nur dies, sondern ich werde mich bemühen, auch den Stil, trotz der grammatischen Fehler, oder sagen wir ohne Umschweif, trotz des Jargons, der sich durch die Abgeschlossenheit der Juden gebildet hatte, beizubehalten. So wird denn nach dem bekannten und geflügelten Wort: „Le style c’est l’homme" das Gepräge der Individualität des Chronisten nicht verwischt. Und welch herrliche Individualität, in der vollstes Gottvertrauen mit Lebens klugh eit gepaart, Wirtschaftlichkeit, Sorgfalt für die Erziehung der Kinder und für ihr Fortkommen in der Welt, und daneben das lebendige Interesse an den großen politischen Bewegungen seiner Zeit als Hauptzüge seines Charakters hervortreten. Muß selbst der fremde Leser dieser Chronik von Hochachtung gegen den Seligen erfüllt werden, um wie viel mehr von inniger Verehrung von seinen Nachkommen, in denen er als Vorbild fortleben möge! Und null sei es mir vergönnt, auch meinerseits des Mannes zu gedenken und sein Bild, wie es in der Chronik hervortritt, noch durch einige Züge zu vervollständigen. Es ist mir das gestattet, da ich ihn fast täglich in meinem elterlichen Hause gesehen, in welchem er stets vorsprach, indem durch dasselbe der Weg zur Synagoge führte, die er morgens und abends besuchte. Ich sehe ihn noch immer in seiner hohen imponierenden Gestalt vor mir, allerdings schon in seinem Greisenalter, mit einem sogenannten „Embonpoinr, weshalb er denn im Orte der „dicke Jtzig" genannt wurde, versteht sich in ganz harmloser Weise. Sein Gesicht war immer freundlich heiter und sein Gruß in unsere Wohnstube lautete: „Einen schönen guten Morgen!" oder „einen schönen guten Abend!" Er kam auch gewöhnlich wohl eine halbe Stunde vor Beginn des Gottesdienstes. Da wurde denn das Eine und das Andere besprochen, urrd hatte er gewöhnlich Neuigkeiten zu berichten, die erber Kasseler Zeitung entnommen, deren fleißiger Leser er war. Um