Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 12 (1909)
- Article
- Die weltgeschichtliche Bedeutung des jüdischen Handels
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 106 (sequence 17)
- Language
- German
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106 lich haben die Kreuzzüge das ehemalige friedliche Einvernehmen zwischen Juden und Christen auf die Dauer zerstört und den gewaltigen Umschwung aller Kulturverhältnisse bewirkt. Die Bürger, die Zünfte brauchten nunmehr den Juden als Vermittler und Träger des Handelsverkehrs nicht mehr. „Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan; der Mohr kann gehn," hieß es nun. Nur in Spanien brauchte man den jüdischen Lehrmeister noch. Nicht blos ini Handel und der Industrie, auch in der Wissenschaft, in solchen Zweigen, die die wahre Größe Spaniens begründen sollten, der Astronomie und der Nautik mußte der Jude die Pionierdienste leisten. Ohne die jüdischen Matheniatiker und Astronomen zur Zeit Alphons X., ohne die jüdischen Dolmetscher und Piloten.konnte man jene großen Entdeckungsfahrten gar picht unternehmen. Doch mit dem Jahre 1492, dem Jahre der Entdeckung Amerikas und — so fügte es die Vorsehung — der Vertreibung der Juden aus Spanien, beginnt erst eine neue Epoche des jüdischen Handels. Die Vertriebenen suchten Zufluchtsstätten in Italien und der Türkei und verpflanzten jüdische Industrie nach Livorno und Cremona wie nach Adrianopel, woselbst zum Beispiel die jüdische Teppichfabrikation erblühte. Sie übersiedelten, zuerst als Marranos, nach Holland und trugen, da immer reichere, durch Geschäftsgeist wie Gelehrsamkeit angesehene Familien folgten, Wilhelm dem Oranier ihre Millionen zur Verfügung stellend, zur Gründung des Amsterdamer Welthandels und zur Ausdehnung der holländischen Macht außerordentlich viel bei. Ganz besonders aber waren es die Marranos, die von der Neuen Welt aus eine vollkommene Umwälzung des Weltverkehrs bewirkten. Dieses Wenigen bekannte Kapital des jüdischen Handels liest sich wie ein Roman. Auf seiner Entdeckungsfahrt nach Amerika hatte Columbus, dem zwei Marranen am königlichen Hofe, Louis de Santangel und Gabriel Sanchez und ein dritter aus jüdischem Geblüt, das Geld aus ihrer Schatulle vorgeschossen — nicht aber die fromme Königin Jsabella — neben zwei anderen Marranen, Einen Namens