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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1909-01-01 · 12 (1909) · p. 105

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
12 (1909)
Article
Die weltgeschichtliche Bedeutung des jüdischen Handels
Date
1909-01-01
Page
105 (sequence 16)
Language
German
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105 haben die höheren Kulturbedürfnisse geschaffen, den Geist von langem Druck befreit und so die Renaissance und die Reformation vorbereitet. Ich will nun beileibe nicht bei der traurigen Geschichte des schnödesten Undanks verweilen, den dieselben von den Staaten, Städten und Ständen erfahren. W. Roscher, in seinem epochemachenden Artikel über die Juden im Mittelalter von 1875, hat die Verfolgungen und Vertreibungen der Juden überall als die Wirkung eines national-ökonomischen Naturgesetzes hingestellt. Und er hat recht. Nicht bloßer Neid, sondern eine elementare Naturmacht im Völkerleben trieb im zehnten Jahrhundert die Italiener, Venedig an der Spitze, dazu, durch allerlei Repressivniaßregeln sich von der Vormundschaft der jüdischen Lehrmeister des Levantehandels wie der Gold- und Glasindustrie zu befreien und den Sklaven-, den Waren- und den Goldhandel an sich zu reißen. Im elften Jahrhundert kam Frankreich an die Reihe, im zwölften und dreizehnten Jahrhundert Deutschland und England. Was die Wut der letzteren beiden Staaten besonders vermehrte, war der Umstand, daß die Fürsten, Bischöfe, Könige und Kaiser, die Juden, denen sie ihre Freiheiten verbrieft, aber die Freizügigkeit geraubt hatten und dann allmählich zu Leibeigenen, zu servi camerae imperialis niederdrückten, als eine Art Schröpfköpfe an den Volkskörper ansetzten, um durch zunehmende Schraubung ihre stets leeren Geldkassen zu füllen, wobei der bittere Haß nicht gegen die Fürsten, die Urheber, sondern gegen ihre Werkzeuge, die Juden, sich wandte. So kam es denn, daß die ehemaligen Großhändler, aus den Städten, die sie zu Handelsplätzen von Bedeutung erhoben, wenn nicht überhaupt gegründet hatten, vertrieben, als verachtete Trödler und Hausierer in den Dörfern sich niederließen und aus geachteten Juwelieren zu Geldwechslern und Wucherern wurden. Bei Letzteren vergesse man ja nicht, daß die Lombarden und Caorsinen den Wucher in weit höheren! Maße betrieben; allein diesen verzieh man, und der Jude ward — verbrannt oder — zum Taufbecken geschleppt. Natür-

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