Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 12 (1909)
- Article
- Die weltgeschichtliche Bedeutung des jüdischen Handels
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 107 (sequence 18)
- Language
- German
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- 107 — Louis de Torres, als Dolmetscher an Bord. Und dieser entdeckte in Cuba bald nach der Landung den Tabak, der dann später von Marranen, die sich dort angesiedelt, zu einem bedeutenden Handelsartikel gemacht wurde. Im Jahre 1560 verpflanzten portugiesische Marranen das Zuckerrohr von Madeira nach Brasilien und verbreiteten die Zuckerplantagen über ganz Südamerika, so daß der Zuckerbetrieb ganz und gar in ihre Hände fiel. Andere spanisch-portugiesische Flüchtlinge, die allmählich die Scheinmaske des Christentums in der Neuen Welt abgeworfen, verpflanzten den Kaffee nach Surinam und Jamaica und entwickelten den Kaffeehandel, der wiederum zu einem jüdischen Monopol wurde. Das erste Kaffeehaus in England wurde im Jahre 1650 von einem Juden eröffnet. Natürlich ermöglichten die Verbindungen, die sie von Amsterdam aus, wo sie die Bank und die West-Jndia-Company wie später die East-Jndia-Company in London gründen halfen, über den Osten und Westen hin mit chren vielsprachigen Glaubensgenossen anknüpfen konnten, eine vollkommene Kontrolle über diese immer stärker werdenden Handelsbetriebe. Nun aber haben neuere Forschungen ergeben, daß der weite ftaatsmännische Blick Cromwells die Bedeutung der transatlantischen Marranos für den spanischen und holländischen Handel erkannte, und darum mit Herbeiziehung dieser seine auf die Ausdehnung der britischen Handelsmacht berechneten Pläne entwarf. Seine Wiederaufnahme von Juden in England hatte es auf Größeres abgesehen. Die spanisch-portugiesischen Juden fanden nun Hollands und Englands Schutz und Begünstigung. Sie siedelten sich als Marranen in Hamburg an und setzten sich an den verschiedenen Hafenstädten der beiden Kontinente fest. Sie führen Zucker, Kaffee und Tabak ein wohin sie kommen, besorgen die großen Geldgeschäfte und befahren auf eigenen Schiffen den Atlantischen Ozean, das Mittelmeer und die Gewässer des Ostens So wiederholt sich das Schauspiel des seefahrenden Juden, das Karl der Große und Ludwig der Fromme erlebt, in der Reuen Welt. Die Großhändlerfirmen der Nasi's, Gradis, Lopez, Mendes, Carceres