Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1909-01-01 · 12 (1909) · p. 102

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
12 (1909)
Article
Die weltgeschichtliche Bedeutung des jüdischen Handels
Date
1909-01-01
Page
102 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3111067-3111090-3112693--3215-3112820
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

102 da nach dem fernen Osten, und -rächten ihre morgenländischen Seiden- und Tuchstoffe, ihre arabisch-indischen Gewürze und Edelsteine, ihre nordischen Pelze und Sklaven nach den Rhein- und Donaustädten, nach Mainz, Speier und Köln, Krakau und Prag, nach den französischen Handelsmetropolen Narbonne, Lyon und Toulon. Von den italienischen Städten ist hier nicht die Rede. Gewiß aber ist, daß von Regensburg und Passau aus die Handelsstraße nach Venedig zu Lande ging, wie daß die ersten jüdischen Handelsniederlassungen in dem von Juden früh bevölkerten Bari zu suchen ist. Im neunten und zehnten Jahrhundert bilden die Juden die eigentliche Handelsklasse, die das Abendland, die Höfe, die Kirchen und Klöster wie das Volk mit den Erzeugnissen des Morgenlandes versieht und die Märkte der verschiedenen Handelsmittelpunkte beherrscht. Wie Cäsar und Augustus nach dem Vorgang der mazedonisch-syrischen Herrscher, so erkennen Karl der Große, Otto der Große, Wilhelm der Eroberer, später auch Kasimir der Große die Nutzbarkeit des Juden für die Hebung des Handels und der Industrie in ihrem Reiche an und statten sie mit den höchsten Privilegien aus, um sie zur Niederlassung in den Städten zu veranlassen, in welchen sie nun durch die Beschaffung neuer Industrie- und Handelszweige mit anderen Staaten oder Städten in erfolgreiche Konkurrenz traten. So wird zum Beispiel die wohl aus Griechenland nach Narbonne und Lucca übergesiedelte Familie Kalonymos, die durch kommerziellen Reichtum wie Gelehrsamkeit gleich berühmt war, nach Mainz u. s. f. von Otto dem Großen verpflanzt. So veranlaßte der Baiernkönig Arnulf jüdische Kaufleute, sich in Regensbürg anzusiedeln, um für den Sklaven-, Pelz- und Bernsteinhandel einen neuen Mittelpunkt zu schaffen; und nach einander entstehen nun längs der Donau Handelsstädte, denen jüdischer Unternehmungsgeist Aufschwung und Blüte verleiht. Französische Juden brachten Sklaven und Waren nach dem noch ganz barbarischen England; und Wilhelm der Eroberer siedelte jüdische Kaufleute aus Rouen in den Städten an, die sich unter dem sich

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.