Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 12 (1909)
- Article
- Die weltgeschichtliche Bedeutung des jüdischen Handels
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 101 (sequence 12)
- Language
- German
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101 Reich im achten Jahrhundert wie die fanatische Westgoten Wirtschaft hat allerdings zur Hebung des jüdischen Welthandels unter der Herrschaft des Islam viel beigetragen, denn nunmehr waren die Juden die einzigen Vermittler zwischen dem mohamedanischen Osten und dem christlichen Westen. Allein unrichtig ist die allgemein geltende Meinung, daß erst unter der grünen Flagge des Korans der Jude den Welthandel entwickelt habe. Von jüdischem Unternehmungsgeist zeugt z. B. die eine Tatsache, daß ein syrischer Jude aus Emesa im 7. Jahrhundert den vom Erdbeben zerstörten Koloß von Rhodus für einen großen Preis erhalten hat; und die Sage will, daß er 900 Pferde brauchte, um das Erz fortzuschaffen. Gerade beim Aufbau der mohammedanischen Kultur waren Juden die unentbehrlichen Vermittler sowohl auf dem Gebiet der Wissenschaft, wobei Juden die klassischen Werke der griechischen Philosophie, Mathematik und Medizin aus dem Syrischen der Nestorianer in's Arabische für die Höfe von Damaskus und Bagdad übersetzten, wie auf dem wirtschaftlichen Gebiet der Industrie und des Handels; besonders hatten sie die Armeelieferungen und die Staatsfinanzen zu besorgen. Natürlich wurde erst mit der wunderbaren Entstehung und Ausbildung der Herrschaft des Islams über die drei Erdteile die große Arena für den Welthandel erschlossen und dem Unternehmungsgeist neue Impulse, dem Warentransport neue Verkehrswege geboten. Wir besitzen aus der Mitte des neunten Jahrhunderts von der Hand des arabischen Oberpostmeisters Jbn Chordadbeh eine ausführliche Beschreibung einer vierfachen Route jüdischer Großhändler aus dem Frankenlande, genannt Rhodanim — nautae Rhodanici, ebenso wie den Bericht eines jüdischen Kaufmanns Abraham b. Jehuda ans dem Orient über seine eigenen Geschäftsreisen durch die Länder des Ostens und Westens. Darnach fuhren diese jüdischen Kaufleute von Arles und Marseille zur See über Aegypten und das rote Meer nach Indien und China oder zu Lande quer durch Deutschland nach der Chazaren-Hauptstadt Jtil am Schwarzen Meer und von