Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 12 (1909)
- Article
- Die weltgeschichtliche Bedeutung des jüdischen Handels
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 103 (sequence 14)
- Language
- German
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103 steigernden Handel namentlich mit Wollenwaren mächtig hoben. Jüdischer Handelsgeist allein hat London, Port, Lincoln, Norwich u. s. f. zn Reichtum und Macht erhoben. Ebenso hat die Rührigkeit der Juden Südfrankreichs Paris und die übrigen Städte des Nordens, wie Trotzes, zu kommerzieller Bedeutung erhoben. Dasselbe läßt sich haarklein von allen bekannten Städten Deutschlands Nachweisen. Nicht zu reden von Köln, woselbst sie schon unter Konstantin Geschäfte betrieben und im zehnten und elften Jahrhundert sich zu waffentragenden Handelsfürsten emporgeschwungen, deren Namen teilweise noch lange nach ihrer Vertreibung im ersten Kreuzzug als Grafen Judd fortlebten, verdankten Magdeburg, Merseburg, Naumburg, Dortmund und Goslar, Speyer, Worms, Augsburg, Ulm, Nürnberg und Babenberg oder Bamberg wie hundert andere größere oder kleinere Städte dem jüdischen Handelsmann ihre Blüte, wenn nicht ihre städtische Existenz. Als Bischof Rüdiger von Speyer im Jahre 1084 das Dorf Altspeyer zur Stadt zog, erklärte er in feinem den Juden gegebenen Schutzbrief, daß er dieselben zur Hebung der Ehre der Stadt darin aufnehme und ihnen die größten Privilegien gewähre. Und in gleichem Sinn bestätigte Heinrich IV. diesen und anderen Städten die Schutzbriefe der Juden. Sie bildeten eben vor den Kreuzzügen ebensowohl die Quelle des Reichtums wie die zivilisatorische Macht. Mußten ja sie erst den Sinn und Geschmack für Kultur im Volke wie in der Geistlichkeit, im Mönch wie im Adel wecken! Ehe sie aber die ins Lateinische übertragenen wissenschaftlichen Werke der Griechen, Römer und Araber dem besser geschulten christlichen Europa zuführten, importierten sie den für den unersättlichen Fleischgenuß und die Trinkgelage unentbehrlichen Pfeffer, Ingwer und Zimmt; für die Wollenfabrikation den Indigo und Karmesin, für den Adel die -kostbaren Seiden- und Brokatstoffe, Teppiche und Pelze, das Leder von Cordova und die Stahlklingen von Toledo wie fürs Volk den Kattun und die Baumwolle (Cotton vom arabischen Cotn) und die in Mosul gefertigten Musseline. Der Juwelenhandel war erst recht