Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 12 (1909)
- Article
- Die weltgeschichtliche Bedeutung des jüdischen Handels
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 99 (sequence 10)
- Language
- German
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SS tonen oder die Angehörigen anderer Stämme als Leibeigene an diese verkauften. Gelegentlich erfahren wir, daß diese jüdischen Kaufleute mit ihren Sklaven und Waren die Donau herauffuhren und von Regensburg nach Italien hinunter ihre Ladungen absetzten. Wie aber erklären wir uns die Existenz einer bis auf die ersten christlichen Jahrhunderte nachweisbaren, vielleicht noch etwas älteren Kolonie chinesischer Juden, von denen sich in Kai-Fung-Foo heute nur noch ein kleiner Rest erhalten hat. Das Land der Seide (Lsriouoa, wie die Römer China nach seiner Seidenfabrikation nannten,) hat offenbar unter persischer oder gar syrischer Herrscher- Protektion diese Juden früher angelockt, wie die' ganze Seidenindustrie und der Seidentransport in Griechenland, dem syrischen Gebiet und später im mohamedanischen Reich bis zum heutigen Tag, aber auch in Südfrankreich und lange sogar in Deutschland in den Händen der Juden verblieb. Die Seidenspinnerei und Seidenwurmzucht war auf den griechischen Inseln eine Hauptnahrungsquelle der Juden, bis daß der Normannenkönig Roger von Sizilien im zwölften Jahrhundert jüdische Seidenwirker nach Palermo und Korfu verpflanzte. Aber auch darnach blieben die spanischen Juden, die Hauptsabrikanten von Seide, und Don Joseph Naßi, Herzog von Naxos, war wiederum durch seine Seidenfabrikation reich und einflußreich unter Selim II. geworden, von den jüdischen Seidenfabriken in Lyon, in Berlin u. s. s. in der neueren Zeit nicht zu reden. Aber auch Afrika, besonders Südarabien, besaß in der vorislamischen Zeit eine zahlreiche jüdische Bevölkerung, deren ökonomische Bedeutung für den arabischen Welthandel nicht übersehen werden darf. Da ist das Reich der Himjaren mit jüdischen Königen, das christliche Aethiopien mit jüdischen Traditionen und das Mischvolk der Falaschas in Abessinien und ganz Jemen voll Juden, die sich der Gold- und Silberschmiedekunst befleißigen. Hier hat offenbar das Gold-, Edelsteinwie Gewürzland den unternehmenden jüdischen Kaufmann in den ersten christlichen Jahrhunderten angelockt, nachdem der hadria-