Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 12 (1909)
- Article
- Die weltgeschichtliche Bedeutung des jüdischen Handels
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 98 (sequence 9)
- Language
- German
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98 — Kleiderstoffe, Gewürze und dergleichen und besonders noch Sklaven importieren. Beide, Syrer und Juden, wurden nun Jahrhundertelang als die oaoroatoros oder r>6Aotiator68 par excellence in den Geschäfts- und Rechtsurkunden genannt; die Syrer aber verschwinden im sechsten Jahrhundert vom Schauplatz, und die jüdischen Kaufleute behaupten. allein das Feld. Sie sind als Hausierer in Rom und als Marketender im Gebiete der römischen Legionen in Köln, in Toledo und Saragossa und den Donaugegenden zuerst aufgetreten und haben sich allmählich aus Kleinhändlern zu unternehmungstüchtigen Kaufherren emporgeschwungen und besonders am Sklavenhandel sich bereichert. Bemerkt sei hier, daß zum Ackerbau Sklaven in alter Zeit unentbehrlich schienen, und hat die Kirche, selbst Papst Gregor der Große, durchaus keinen Anstoß am Sklavenhandel an sich genommen. Nur daß diese Sklaven zu Halbjuden und nicht zu Christen gemacht wurden oder daß gar christliche Sklaven in jüdische Dienstbarkeit kamen, war der frommen Christenheit ein Dorn im Auge. Woher nun holten die jüdischen Kaufleute ihre Sklaven, ihre Seiden- und ihre Brokatstoffe, ihre Tücher und Teppiche oder ihre Gewürze und Edelsteine, nach denen die Fürstenhöfe, die Kirchen und Klöster wie die Bischöfe und Aebte so gierig waren? Hier muß ich auf folgende rätselhaften Erscheinungen in der Geschichte der Verbreitung des jüdischen Volkes aufmerksam machen. Wie oben erwähnt, haben bereits in römischer Zeit am schwarzen Meere starke jüdische Ansiedlungen stattgefunden, an denselben Punkten der Erde, woselbst nachher das halbjüdische.; Chazaren-Reich entstand, auf dessen Trümmern das alte Rußland, mit Kiew als Hauptstadt, sich erhob, und das den Kulturvölkern die kostbaren Pelzwerke, den Bernstein und die Sklaven lieferte. Nun weiß jedermann, daß jdie Slavenstämme das Hauptkontingent für den Sklavenmarkt lieferte. Und wir besitzen zuverlässige jüdische Berichte aus dem zehnten Jahrhundert über das Verhältnis jüdischer Kaufleute zu den Slaven-, Bulgaren- und Chazarenfürsten, die ihre Unter-