Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 12 (1909)
- Article
- Die weltgeschichtliche Bedeutung des jüdischen Handels
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 97 (sequence 8)
- Language
- German
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97 Weislich in seinen Dienst. So erfahren wir denn aus den talmudischen Quellen von solcher der Reinerhaltung des Judentums gefährlichen Misch-Bevölkerung von Mesene und Charax, in denen aber jüdische Kaufleute als reiche Großhändler erscheinen. Babylonische Juden werden uns im Talmud häufig vorgeführt, die mit ihren Seidenwaren, Juwelen und Gewürzen Monate lang von Markt zu Markt reisen und es zu luxuriösem Wohlstand bringen. Ganze Städte sind voll dieser reichen, üppigen Juden. In der Tat ist es von Mommsen in seiner römischen Geschichte, wie von Alfred von Gutschmid in seinen Geschichtswerken über Iran erkannt worden, daß die Juden im Partherreich den Handel bedeutsam gefördert haben. Und sie bildeten das Bindeglied zwischen dem römischen und dem parthischen Reiche im letzten vorchristlichen und den ersten sechs nachchristlichen Jahrhunderten in' bedeutend höherem Maße, als dies die Syrer vermochten. Diese waren allerdings zahlreicher und vornehmer als die jüdischen Kaufleute; ihnen ging aber die jüdische Beweglichkeit und Sprachfertigkeit ab, um überall wie jene erfolgreich zu sein. Recht bezeichnend ist die merkwürdige Tatsache, daß Jahrhunderte lang in Palästina so gut wie im gesamten Judentum die seleucidische Aera, die mit der Schlacht bei Gaza 312 beginnt, als die Aera für Geschäftsurkunden aller Art beibehalten wurde, gerade wie die christliche Zeitrechnung die jüdische Weltära des Mittelalters außer Kurs gebracht hat. Derselbe praktische Geschäftssinn spricht sich auch in der vom Babylonier Hillel gegen das Jahr 40 eingeführten Reform aus, die das biblische Gebot des Erlasses aller Geldschulden im siebenten Jahr durch einen besonderen Kontrakt vor Gericht zu umgehen gestattet. Bereits in den ersten christlichen Jahrhunderten treffen wir jüdische Kaufieute in Gemeinschaft mit den Syrern in all' den Hafenstädten der Handelsemporien von Südfrankreich in Marseille, Montpellier, Lyon, Narbonne, wie in Spanien, unter den westgotischen Königen, wohin sie Seiden- und andere orientalische 7