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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1909-01-01 · 12 (1909) · p. 95

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
12 (1909)
Article
Die weltgeschichtliche Bedeutung des jüdischen Handels
Date
1909-01-01
Page
95 (sequence 6)
Language
German
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95 Griechen- und Judentum miteinander verschmolzen und so das von Alexander dem Großen, dem Schüler Aristoteles', begonnene Werk der Völkerverbrüderung vollendet hätte. Die Behauptung ist absolut salsch. Der Heidenbekehrer Paulus fand, wohin er kam, griechischredende Judengemeinden vor, in deren Synagogen er predigte, und er trat in die Fußtapfen der Sendboten der jüdischen Propaganda, die seit der Makkabäer-Zeit von Alexandrien aus nach vielen Seiten hin mit Schrift und Predigt wirksam war. Stolz behauptete bereits im Jahre 140 vor der christlichen Aera der Sibyllinendichter: „Jegliches Land und jegliches Meer ist von dir (Israel) erfüllt", und der Geograph Strabo bestätigt die merkwürdige Aussage. Es gab in der Tat weder im Parthernoch im römischen Reich, weder in Afrika noch in Kleinasien, Phönizien und Syrien oder Griechenland, weder aus dem Festland oder den Inseln eine einzige Stadt, wo Juden sich nicht angesiedelt hätten, angelockt von Aussichten auf Handelsgewinn. Nun wissen wir, daß bereits unter den persischen Königen jüdische Handelshäuser in Babylonien Finanzgeschäfte in großem Maßstabe betrieben. Keilinschriftliche Funde brachten vor mehreren Jahren die Existenz einer solchen Firma „Muraschu Söhne" an's Licht; und der bekannte Jurist I. Köhler hat die aufgefundenen Kontos und den fast modernen Styl dieser Finanzoperationen im IV. Band der Beiträge zur Assyriologie beleuchtet. Dazu sind nun vor kurzem frappante aramäische Geschäftsurkunden von Juden aus der Zeit Terxes' und Artaxerxes' und wohl bis auf Dambyses zurückreichend daselbst wie auf der Elephanteninsel bei Syene am oberen Nilkatarakt zu Tage gefördert worden, die ein ganz neues Kapitel jüdischer Kultur- und Handelsgeschichte eröffnen. Man hat nämlich lange Zeit die Behauptung alexandrinischer Juden, wie sie im Aristeasbrief, im dritten Makkabäerbuch (3,21) und sonst aufgestellt wird, daß die Juden schon seit uralter Zeit in Aegypten wohnten und ihr Bürgerrecht so alt und so fest verbrieft, wie das der Griechen war, als „jüdische Prahlerei" verschrieen. Nun muß dieses Vorurteil der-

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