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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1909-01-01 · 12 (1909) · p. 93

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
12 (1909)
Article
Die weltgeschichtliche Bedeutung des jüdischen Handels
Date
1909-01-01
Page
93 (sequence 4)
Language
German
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93 Seefahrten, den Tarschisch-Schiffen, hinauslockte über das weite Erdenrund, übten ihren Reiz schon auf Salomo und seine Dynastie aus, und, wenn diese ihre Schifffahrts- Versuche mißlangen, weil sie zu fern von der Küste wohnten, so zeigen uns die Schilderungen der Propheten Jesaiah, Ezechiel und des sogenannten zweiten Jesaiah, daß man für die großen Handelskarawanen und Märkte ein offenes Auge und ein reges Interesse bewahrte. Es ist der Menschheitsgedanke, der hier in aller Hoheit und Weite erwacht. Nicht im Bauch des Walfisches, sondern auf der hohen See wird dem Propheten Jona das enge Herz weit geworden sein, um die himmlische Liebe auch auf die heidnische Menschheit auszudehnen. Mit dem Zusammenbruch des altisraelitischen Staatslebens und der Zerstreuung des Volkes über alle Erdteile begann eben eine andere Epoche und eröffnete sich eine neue Aufgabe für den von seiner heimischen Scholle losgerissenen Juden. Jede neue Ansiedlung wurde der: weit Auseinandergesprengten zu einer Etappe einerHandelsverbindung, deren Netze sich allmählich über Land und Meer ausdehnten, gerade wie in größerem Maßstabe die des phönizischen Weltverkehrs. Daß bei allem zähen Haften mn Boden die Bewohner Palästinas ihren Nachbarn, den Kaufherrn von Tyrus und Sidon, früh schon manches abgelernt haben, erfahren wir aus der Bibel und dem Talmud, wo uns gesagt wird, daß der Küstenbewohner Zebulon die Glasfabrikation und die Purpur¬ oder Karmesin - Färberei übte. In der Tat haben sich beide Geschäftsbetriebe bei den Juden an der mittelländischen Meeresküste bis in die Zeit der Kreuzzüge hinein nachweislich erhalten, wovon uns besonders die Reisebeschreibung Benjamins aus Tudela Kunde gibt. Aber gelegentlich gibt uns die Bibel bereits einen Einblick in das Leben eines jüdischen Kaufmanns, dessen Wochen oder Monate lange Abwesenheit vom Hause die Treue der Gattin auf die Probe stellt. Oder es werden uns recht drastisch im 107. Psalm die unangenehmen Erfahrungen einer Seefahrt geschildert und von einem Dankopfer nach glücklicher Rückkehr gesprochen. Gewiß ist, daß man

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