Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 12 (1909)
- Article
- Die weltgeschichtliche Bedeutung des jüdischen Handels
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 92 (sequence 3)
- Language
- German
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92 träge Masse mit dem Erobererschwert in der Hand in Bewegung zu setzen, so nmßte ein anderer Sauerteig in seine Seele geworfen werden, um es in Gährung zu bringen. Ich spreche nicht von seinen Religionswahrheiten, seinem Monotheismus und seiner Messiashofsnung. Beide hätten ihren zivilisatorischen Einfluß auf die Welt nimmer ausüben können und die christliche und mohammedanische Religionsbewegung nie hervorgerusen, hätte der Handelsgeist sich nicht im Juden früh — trotz aller Hindernisse — geregt und ihn mit den Völkern der weiten Erde in Berührung gebracht, die ihn zum Kosmopoliten, zum Weltbürger, zum Träger einer die Kulturen vieler Länder vereinigenden allgemeinen Menschheitsidee, wie nur die Edelsten der griechischen Denker sie ahnten, zu erheben. Schon Aristoteles bewunderte einen Juden, den er aus Reisen zufällig traf, — wenn wir seinem Schüler Klearch Glauben schenken dürfen — als eine Art Nathan den Weisen. Wir vergessen eben gar zu leicht, wenn wir das klassische Land der Kunst und der Philosophie, dieLeistungen eines Phidias und eines Sophokles und Plato bewundern, daß der Staat des allen Handelsgewinn hassenden Lykurgos, daß rohes, klotziges Spartanertum jene herrliche hellenische Zivilisation niemals hätte schaffen können. Nur weil die Athener, oder bereits die kleinasiatischen Ionier, gelehrige Schüler des schlauen Handelsvolks der Phönizier getvorden, erweiterte sich ihr Blick und erschloß sich ihr Sinn für all die Kunst- und Wissensschätze des untergehenden hohen Altertums, so daß sie sich bei ihrer staunenswerten Empfänglichkeit und Schaffenslust zu ewigen Vorbildern alles Schönen und Gedanklich- Hohen und Wahren erhoben. Nun denn fragen wir, was hat dem jüdischen Genius die große Welt erschlossen, daß schon auf den ersten Blättern der Bibel eine Völkertafel dargeboten wird, die die drei Erdteile, die semitischen, arischen und afrikanischen Menschenstämme umschließen soll und deren Gleichen in keiner Literatur der alten Welt wieder zu finden ist? Die Handelsunternehmungen, die die Phönizier auf ihren großen