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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1909-01-01 · 12 (1909) · p. 91

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
12 (1909)
Article
Die weltgeschichtliche Bedeutung des jüdischen Handels
Date
1909-01-01
Page
91 (sequence 2)
Language
German
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91 f)at man den Grenzwächter Mercur zum Gott der Diebe und der Kaufleute geniacht. Der Kaufmannsstand ward in Indien wie in Griechenland mit Mißachtung und Mißtrauen behandelt. Aber nirgendwo begegnete er einer solchen Geringschätzung und Schmähung als gerade seitens der israelitischen Propheten und der Häupter der jüdischen Schulen. Der Schacher — ein aus dem hebräischen Loober (umherziehender Handelsmann) entstandenes Wort — war dem Juden von Haus aus so fremd, daß man in der Bibel für den hausierenden Handelsmann den Nanien Kanaani ( Phönizier) gebraucht. Bor diesem Beispiel eines betrügerischen Kaufmanns mit dem falschen Maß und Gewicht in der Hand kann der Prophet sein Volk nicht eindringlich genug warnen, und nochJosephus, der jüdische Geschichtsschreiber am Hofe der slavischen Imperatoren, rühmt sein Volk, daß es den Ackerbau allein fleißig betreibe und nicht, wie die Griechen, dem Handel obliege. So sind denn auch die Aeußerungen der Rabbinen in den ersten christlichen Jahrhunderten dem Handelsmann durchaus nicht günstig. Es ist in der Tat eine vollständige Verkennung des Charakters des Juden, wenn man behauptet, daß er vermöge seiner „Parasiten-Natur" am liebsten von: Mark, von der Arbeit Anderer zehre. Wie das ganze mosaische Gesetzessystem auf Ackerbau beruhte und jedes Geschäftsunternehmen, das Geldanleihe erforderte, durch das Zinsverbot fast unmöglich machte; wie das Lebensideal des Volkes darauf hinzielte, daß jeder friedlich unter dem Schatten seiner Wein- und Feigenbaumpflanzungen lebe, so zogen die Judäer aus ihrem Erblande in die Fremde mit der Weisung des Propheten: „Erwerbet Felder und Weinberge und bauet sie an und fördert als gute Patrioten die Wohlfahrt des neuen Heimatlandes." Und sie bewährten sich als tüchtige Ackerbauer in Babylonien, in Afrika und in Südfrankreich, bis Haß und Verfolgungswahn sie aus ihrem Besitztum verjagte. Allein ein bloßes Bauernvolk bringt es nicht weit in der Geschichte. Und da das jüdische Volk keinen Hannibal und Alexander, keinen Mohammed und Caesar hervorbrachte, um die

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