Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 12 (1909)
- Article
- Herz und Gehirn in altbiblischer Auffassung
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 86 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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86 stellung der Krankheitsbilder) „hat fast mehr mit dem Vorgehen des Untersuchungsrichters Aehnlichkeit als mit einer wissenschaftlichen Erforschung". Und: „die Hilfsmittel (zur Feststellung) gehen nur wenig über diejenigen hinaus, die uns die gewöhnliche Lebenserfahrung an die Hand gibt." (Kröpelin). Mit einem gewissen Recht behauptet man, es befinde sich die h. Schrift im Widerspruch mit der Wissenschaft. Aber doch nur mit der von heute; denn nicht nur die ehemalige, z. B. griechische, stand größtenteils auf dem Standpunkt der ersteren sondern auch recht viele Vertreter der letzteren bis heut. „Die großen Gedanken kommen aus dem Herzen" (Pascal); „die Gemütskrankheiten stehen im Zusammenhang mit den Organen des Unterleibes" (Schröder, von der Kolk) 2c. Aber allerdings, wie die Voraussetzungen andere sind, müssen es auch die Folgerungen sein. Die schöpferischen Ideen, welche die Menschheit vorwärts gebracht haben, sind bekanntlich zumeist nicht eine Folge von Fleiß, Scharfsinn, Erfahrung, Stellung u. a. gewesen, sondern intuitiv entstanden, auf eine der psychologischen Forschung unzugänglichen Weise. Warum sollten Einzelne, die weit über dem Durchschnitt unserer Tausende von Jahren später lebenden Generation standen, nicht Wahrheiten gelehrt haben, deren Richtigkeit die Wissenschaft schließlich im Stande sein könnte, anzuerkennen? Ist nicht wiederholt beobachtetworden, daß neue Theorien verworfen wurden und uralte wiederum zur Herrschaft gelangten? Die Tradition lehrt — entgegen den Materialisten, den Darwinianern —: Menschen und Tiere leben durch einen, an das Blut gebundenen Hauch (Atemluft), „Gott zieht ihn zurück und Alle vergehen" (Psalm.) Die Beschaffenheit des Blutes bedingt die Individualität. Die Bewegung dieses Hauches, dieser Strömung, macht den Menschen, dem eine besondere höhere Art der Belebung (göttlicher Hauch) zu Teil wurde, fähig, geistige — den Tieren — versagte Tätigkeiten zu entfalten. Unter Umständen kann der Schöpfer diese Bewegung ändern, kann jeder Mensch die Direktion derselben befolgen oder hintenansetzen, ihr entgegen-