Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 12 (1909)
- Article
- Herz und Gehirn in altbiblischer Auffassung
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 85 (sequence 5)
- Language
- German
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85 Gehirn erkranken, so ist das somit erklärlich. Umgekehrt kann ein körperliches Leiden Ursache werden, daß der Geist erkrankt, wie z. B. auch zum Selbstmorde; aber ein solches an und für sich wird nur immer den Geist unfähig machen, die Organe gehörig zu brauchen, so daß, wenn die Funktionen letzterer wieder in Ordnung sind, der Geist sich ohne weiteres wieder intakt erweist. Es soll hier nicht historisch aufgeführt werden, wie nahe manche Forscher der altbiblischen Auffassung kamen, daß Geistesstörungen von der Beschaffenheit des Blutes, bezw. der Gefäße abhängen, z. B. Crichton. Nur darf nicht ohne weiteres geschlossen werden, es müßten umgekehrt die Krankheiten des Blutes, des Herzens und der Gefäße geistige Störungen immer bewirken. Der Geist entzieht sich im gesunden wie im kranken Körper des materieller: Nachweises. Wenn vielfach gelehrt wurde, er sei ein feinerer Aether, so ist darnit nichts gewonnen für die nicht begreifliche Behauptung der Materialisten, daß ein körperliches Gewebe denken soll; und namentlich auch nicht, warum gerade die Hirnrinde, oder das ganze Zentralnervensystem, die (sympathischen) Ganglien. Warum sollten geistige Fähigkeiten, von denen gewisse auch nervenlosen Tieren zukommen, nur an Nerven, nicht auch an Muskeln, und vor allen: nicht auch an das (flüssige) Gewebe des Blutes geknüpft sein? In Summa also: Die Zukunft der Lehre vom Menschen gehört der altbiblischen Auffassung. Vor ca. 30 Jahren, als Vers, diese Ansicht zum erstenmale veröffentlichte, war es um die Kenntnis des Blutes noch traurig bestellt. Der Aufschwung in dieser Beziehung ist so enorm, daß die Rolle des Gehirns zu Gunsten des Herzens bezw. des Blutes in absehbarer Zeit ausgespielt erscheint. Daß insbesondere die Geistesstörungen im engeren Sinne nicht mehr als körperlich bedingt gelten werden müssen, das sollte nicht blos aus dem negativen Ergebnis der Pathologischen Anatomie gefolgert werden, sondern auch aus der unveränderten Schwierigkeit, die Diagnose anders wie auf psychologischem Wege zu stellen. „Das Verfahren" (Fest-