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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1909-01-01 · 12 (1909) · p. 84

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
12 (1909)
Article
Herz und Gehirn in altbiblischer Auffassung
Date
1909-01-01
Page
84 (sequence 4)
Language
German
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84 verursacht, so muß auch jedes Organ nicht bloß zu den körperlichen, sondern auch zu den geistigen Vorrichtungen in besonderen Beziehungen stehen. In seiner Abhandlung: „Der erste Kriminalfall" (Marhold, Halle a. S. 06) hat Vf. ausgeführt, wie gewisse Organe, Nieren, Leber, Darm u. a. von der heil. Schrift mit den Gefühlen, das Herz mit den Vorstellungen und Trieben in enge Verbindung gesetzt werden. Die Hauptstellen für das Herz sind I u. IIB. u. A.: „Die Gebilde des menschlichen Herzens sind böse vom Erwachen an", „Wer gäbe ihnen ein solches Herz, meine Gebote zu befolgen"; und in den späteren Schriften: „Sein (Nebukadnezar's) Herz wurde das eines Tieres" und „Ich schlafe, aber mein Herz wacht". Wie das Herz auch in der Nacht unermüdlich pulsiert, so ist auch der Geist in der Nacht tätig, wenn die sonstigen Organe, z. B. das Gehirn schlafen; also dem Geiste nur vage Körpergefühle ohne genügende Korrektur zuführen. Besonders bemerkenswert ist dabei auch, daß (Atmung) Lungen ebenso ignoriert werden wie das Gehirn, also gewissermaßen als solche Organe angesehen werden, die nur Hilfsfunktionen, nicht bestimmende, auszuführen haben. Die altbiblische Lehre geht also davon aus, daß alles Geistige durch das Blut vermittelt wird, daß dieses demnach zunächst auf Herz und Gefäße — es erscheint sehr glaublich, daß das hebräische Wort für Nieren in der Verbindung mit Herz „Gefäße" bedeutet — wirkt, und daß diese das Reagenz, das feinste, für alle die Persönlichkeit betreffenden geistigen Zustände bilden. So „klopft" das Herz, als David das Volk zählen ließ; so war es „verhärtet" bei Pharao, d. h. es erlangte eine abnorme Widerstandsfähigkeit gegen die, angesichts der furchtbaren Plagen bei Pharao, (durch Angst, böses Gewissen) hervorgerufene Reaktion (Klopfen). Die Fähigkeit zu reagieren erlangt das Herz lediglich durch Zufuhr von Blut, und sie zeigt sich in der unerklärlichen, durch Nerven nicht bedingten (automatischen) Herzpulsation. Wenn bei Störungen des Geistes — immer abgesehen von den durch Körperleiden verursachten, z. B. Fieber, Vergiftung — die Organe namentlich Herz,

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