Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1909-01-01 · 12 (1909) · p. 83

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
12 (1909)
Article
Herz und Gehirn in altbiblischer Auffassung
Date
1909-01-01
Page
83 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3111067-3111090-3112692--3195-3112801
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

83 Abkühlung des Lebenshauches dienendes Organ. Ohne auf die Theorien einzugehen, welche die Seele, bezw. die verschiedenen Kräfte derselben, in diverse körperliche Organe verlegen, sei nur erwähnt, daß u. A. Hauch- I>usuing. als Träger des Lebens gebunden an das Blut gedacht wurde. Die altbiblische Lehre ist: Die Persönlichkeit ist an das Blut gebunden, körperlich wie geistig. Deshalb soll das tierische Blut nicht einen Bestandteil des menschlichen Körpers durch die Nahrung bilden. Deshalb sollen die (rotblütigen) Tiere von dem Blute — das zum Opfer dienen oder wie Wasser auf die Erde gegossen werden soll — befreit werden, was schnell, sicher, human, am allerbesten, ja ganz allein nur durch die traditionelle Schlachtweise geschehen kann (wie Vf. a. O. vor vielen Jahren ausgeführt hat). Die herrlichen Schlachtvorschriften haben sich bei den Israeliten erhalten, aber ihre Begründung ist im Exil verloren gegangen. Gezwungen, sich jeder politischen Tätigkeit zu enthalten, verfolgt, bedrückt, beständig in Angst haben die weisen, frommen Führer sich gewissermaßen ausschließlich in die mosaischen Lehren vertieft und zur Ergänzung der Lücken in der Ueberlieferung doch auch Sätze aufgestellt, deren Unhaltbarkeit nach Vf.s Ansicht mit der Zeit erkannt werden wird. Wenn z. B. das Blut auf die Erde gegossen wird, so ist nicht abzusehen, warmn das nicht Abfließende auch noch entfernt werden soll. Und vollends: Daß es ein noahchidisches Gebot sein soll, daß vom lebenden Tiere kein Glied gegessen werden soll, erscheint schon insofern irrig, als dies Verbot überflüssig wäre. Ein solches Glied enthält ja noch Lebensblut, ist also schon deshalb verboten. Das allen Nachkommen Noahs gegebene Verbot des Blutessens involviert ohne weiteres die Voraussetzung des Kreislaufs des Blutes. Wie sollte man ein geschlachtetes Tier essen, ja auch das Blut beim Opfern sprengen können, wenn es nicht sicher wäre, daß die gebotene Schlachtweise das Lebensblut aus dem Tier entfernt hatte? Wenn das Blut aber alle Organe belebt, deren besondere Funktionen 6*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.