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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1909-01-01 · 12 (1909) · p. 82

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
12 (1909)
Article
Herz und Gehirn in altbiblischer Auffassung
Date
1909-01-01
Page
82 (sequence 2)
Language
German
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82 Seraph, eine Art Engel, wahrend es eine Schlange bedeutet. Man spricht von der „Stimme des Predigers in der Wüste", während der Text lautet: „Stimme des Rufenden in der Wüste: Macht einen Weg frei usw." Wichtiger noch ist, daß die traurige Vertreibung aus Palästina die Tradition lückenhaft gemacht, daß das Exil antibiblische Gebräuche eingeführt, ja sanktioniert hat; daß die Überschätzung der heidnischen Kultur klare, weit überragende Auffassungen der Welt, der Menschen, des Rechts, der sozialen Zustände bei den Hütern des ihnen anvertrauten Schatzes haben vergessen oder hintenansetzen lassen. Von solchen dem Geiste der alten Traditionen widersprechenden Dingen seien nur (nach Löw) erwähnt: Konfirmation, Totenfeier, Besuch der Gräber. Moses' Grab sollte.Niemand kennen, und keine Silbe in der heiligen Schrift erzählt uns davon, daß je die Gräber der Könige, der Propheten, der Erzväter aus Pietät ausgesucht worden sind. Das Merkwürdigste, und neu zu dem Thema, ist: In den fünf Büchern und (soweit Vers, bekannt) auch in den übrigen heiligen Schriften wird nie das Gehirn als Sitz der Seele, bezw. der geistigen Fähigkeiten erwähnt. Das hindert aber nicht, daß das Gebot: „Die Worte, die Ich dir heut' gebiete, sollen dir sein . . . zum Zeichen zwischen den Augen", durch den vermeintlichen Sitz des Verstandes im Kopfe motiviert sein soll. Die Psychiatrie, die Medizin nimmt dies bekanntlich noch heut größtenteils an. (So z. B. Kräpelin. *) Ebenso bekannt ist, daß die älteste Auffassung, nicht bloß die alttestamentliche, die Seele in das Herz verlegte. So (vgl. Neubauer in Gesch. d. Med. 02) die Sumerier im zweiströmigen Lande: Geisteskrankheit ist Verkehrtheit des Herzens; die meisten Hippokratiker, Pneumatiker; gegen Plato hält auch Aristoteles das Gehirn nur für ein zur *) Psychiatrie 1903, S. 2/3: „Wir wissen jetzt, daß wir in ihnen (d. i. den Geisteskrankheiten) die psychischen Erscheinungsformen mehr oder weniger feiner Veränderungen im Gehirn vor uns haben." Und das, nachdem die pathologische Anatomie für die nicht als Begleiterscheinungen körperlicher, austretenden geistigen Veränderungen sich als wertlos erwiesen hat.

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